Ehrungen

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Johannes Th. Eschen-Preis

Mit dem Johannes Th. Eschen-Preis der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft möchte die Redaktion der Fachzeitschrift “Musiktherapeutische Umschau” (MU) junge Autorinnen und Autoren bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit unterstützen und damit zur Qualitätsentwicklung beitragen. Die AbsolventInnen von Studiengängen im deutschsprachigen Raum können sich mit ihren Abschlussarbeiten im Rhythmus von zwei Jahren bewerben. Die PreisträgerInnen werden eingeladen, ihre Arbeit in einer der Zeitschrift angemessenen Form als Originalbeitrag in der MU zu veröffentlichen und erhalten dabei die Unterstützung der Redaktion.

Der Eschenpreis wurde im Jahr 2000 eingerichtet und ist benannt nach dem langjährigen Vorsitzenden der DMtG (früher: DGMT) und dem Leiter des Instituts für Musiktherapie an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, Johannes Th. Eschen (1925 – 2013).

Bis zum Einsendeschluss Ende März 2020 waren 20 Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft eingegangen. Die Jury hatte die Bewerbungen nach einem vorgegebenen Punktesystem (Originalität, Form, Methodik, Inhalt, Generalisierbarkeit, persönlicher Faktor) bewertet und nach Zusammenfassung der einzelnen Bewertungen das Ergebnis ausführlich diskutiert, nach übergeordneten Gesichtspunkten gewichtet und die sechs Abschlussarbeiten für die Shortlist nominiert.

Die Jury beglückwünscht die ausgewählten Autorinnen und Autoren für ihre Abschlussarbeiten von musiktherapeutischen Studiengängen. Sie lobt insgesamt ausdrücklich die Themenvielfalt, die Originalität und das Niveau der eingegangenen Arbeiten. Auch die wissenschaftlichen-methodischen Aspekte sowie die Abstracts seien überwiegend gelungen. Als Themenschwerpunkte waren interkulturelle Themen zu erkennen und der Arbeitsbereich der Neonatologie. Obwohl öfter eine abschließende Diskussion in den Arbeiten fehle und etliche Arbeiten als zu umfangreich angesehen werde, schmälere dies nicht die Gesamtqualität der eingegangenen Bewerbungen, so der Abschlussbericht der Erstjury.

Juror.innen der Hauptjury:
Prof. Dr. Petra Jürgens (Friedensau/Berlin), Dr. Monika Nöcker-Ribaupierre (München), Prof. Dr. Wolfgang Schmid (Bergen), Prof. Dr. Almut Seidel (Friedrichsdorf) sowie Prof. Dr. Gitta Strehlow (Hamburg).

Dominik Denkmayr ist der Preisträger des Johannes Th. Eschen-Preises der DMtG 2020.

Wann ist wieder Männerstammtisch?
Gendersensible Musiktherapie und ihr Potential in der Ausbildung im Musiktherapiestudium Wien

Diplomarbeit am Institut für Musiktherapie der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.
Betreuerin:  Dr. sc. mus. Elena Fitzthum

Der Autor setzt sich mit dem Geschlechterverhältnis in der Musiktherapie auseinander mit folgenden Leitfragen: Wie erleben Studierende das ungleiche Geschlechterverhältnis im Musiktherapiestudium? Welche Bedeutung haben für die Teilnehmer.innen der Diskussionen gendersensible Aspekte der Musiktherapie? Wie können diese Themen in die Ausbildung eingebracht werden und welche Bedeutung hat der Männerstammtisch für Studierende?
Beim theoretischen Hintergrund der Arbeit wird die kritische Männlichkeitsforschung anhand von Standardwerken herangezogen. Als Forschungsmethode wurden drei Gruppendiskussionen durchgeführt und mit Hilfe der dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack analysiert und ausgewertet.

Begründung:
Mit sehr großer Übereinstimmung wird die Studie als „Preisträgerarbeit“ ausgezeichnet. Die Jury sieht es als sehr gelungen an, dass mit der rekonstruktiven Sozialforschung eine „passgenaue Methode“ für das Thema gefunden wurde. Überzeugend ist, auf welche Art und Weise der Autor die Fragestellung entwickelt und die Methodik sehr deutlich und transparent erklärt: „Ein stringentes qualitatives Forschungsdesign“. Das Thema der Geschlechterfrage ist hochaktuell, begründet die Jury, es ist so noch nicht bearbeitet worden und bekommt für die Identität und die Weiterentwicklung des Berufs einen nachhaltigen Stellenwert. Gerade weil das Thema auch oft Widerstände hervorruft, gelingt es dem Autor mit der kreativen Idee der drei unterschiedlichen Diskussionsgruppen, das Thema von ganz verschiedenen Seiten zu berücksichtigen. Auch die Form hat die Jury beeindruckt: Die Illustrationen ermöglichen beim Vergleichen eine sehr gute Zusammenfassung und einen optimalen Überblick. Die Jury betont außerdem, dass der Autor in seinen „Mehrfachrollen“ für seine Selbstreflexion eine angemessene Sprache auch in den Rahmenbedingungen und Limitationen gefunden hat. Die dokumentarische Methode stellt der Autor der Forschungslandschaft zur Verfügung und mit wertvollen Hinweisen für eine gendergerechte Ausbildung und dem Verweis auf Einzelthemen wie z.B. Generationenkonflikt sollte ein Ansporn entstehen für weitere neue Arbeiten.

Fazit der Jury: „So kann Forschung Spaß machen, die mit Lust gelesen wird, das Thema ist stringent und grandios auf den Punkt gebracht, eine mutige Vorgehensweise, ein humorvoller Schreibstil, ein echter Glücksgriff!“

Marlene Emminger wird mit einer Belobigung ausgezeichnet.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Umgang mit Musik: Eine vergleichende Fragebogenstudie unter Jugendlichen in Anwendung der „Healthy-Unhealthy Uses of Music Scale“ (HUMS)
Diplomarbeit am Institut für Musiktherapie, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Betreuer: Prof. Dr. med., Dr. sc. mus. Thomas Stegemann.

Der Fragebogen HUMS erfasst, ob Jugendliche ihren Umgang mit Musik als hilfreich oder nicht hilfreich einschätzen. In der quantitativen Studie der Autorin wird der Praxisbezug geprüft und untersucht, in welchem Zusammenhang eine depressive Symptomatik mit dem Umgang Jugendlicher mit Musik steht.

Begründung:
Die Jury lobt das engagierte Forschungsinteresse und den wissenschaftlichen Ansporn der Autorin, die internationale und interdisziplinäre fachliche Aspekte in ihre Arbeit zu integrieren weiß. Die Arbeit wird einerseits hilfreich durch die statistischen Ergebnisse, so die Jury, als auch für die Community vor allem durch die Literatur, die hierbei zur Verfügung gestellt wird. „Für die Grundlagenforschung ist die Studie als Nachfolgeuntersuchung eine bedeutende Arbeit.“ Sie erweitert die musiktherapeutischen Kompetenzen hinaus mit einem medizinischen Forscherideal. Die Jury bescheinigt der Autorin eine saubere und sehr gründliche Arbeit; sie zeigte sich ebenfalls beeindruckt von der überzeugenden abschließenden Diskussion, die auch für andere Disziplinen erkenntnisreich ist.

Fazit der Jury: „Eine wichtige Folgeforschung, hier zeigt sich ein Forschungstalent, eine tolle Arbeit: engagiert, gewissenhaft, ausführlich, sorgfältig, insgesamt: eine sehr starke Forscherin!“.

In ihrem Abschlussstatement hob die Jury insgesamt das hohe Niveau der Arbeiten hervor. In der Qualität hätten die nominierten Bewerberinnen und Bewerber sehr nahe beieinander gelegen. Die fachlichen Kriterien seien sehr gut erfüllt worden. Jedoch sollten, so die Jury, auch immer die Ergebnisse überzeugend dargestellt und auch Wert gelegt werden auf die Transparenz der Methodik und des Forschungsdesigns. Diskussion wie Urteilsfähigkeit sollten authentisch formuliert werden.  

Allgemein haben sich die Forschungskompetenzen weiterentwickelt, so ein Resümee der Jury. Auch das breite Spektrum an Themen mit einer hohen Sensibilität für aktuell notwendige Fragestellungen habe sie beeindruckt, von interkulturellen Themen wie der Arbeit mit Migranten bis hin zur Darstellung von Instrumenten, von der musiktherapeutischen Elternarbeit in der Neonatologie bis zu Persönlichkeitsstörungen.   

Am 25.05.2020 hat die Erstjury (Redaktion der Fachzeitschrift „Musiktherapeutische Umschau“ und Gäste) aus den Bewerbungen zum Eschen-Preis 2020 sechs Arbeiten ausgewählt und für den Preis nominiert. Die Nominierten in alphabetischer Reihenfolge:

Dominik Denkmayr (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Diplomstudiengang Musiktherapie)
Wann ist wieder Männerstammtisch? Gendersensible Musiktherapie und ihr Potential in der Ausbildung im Musiktherapiestudium Wien

Marlene Emminger (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Diplomstudiengang Musiktherapie)
Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Umgang mit Musik: Eine vergleichende Fragebogenstudie unter Jugendlichen in Anwendung der „Healthy-Unhealthy Uses of Music Scale“

Lisa Farthofer-Schmid (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Diplomstudiengang Musiktherapie)
Bodily expression in music therapy: Theoretical and practical approaches in the treatment of developmental and psychiatric disorders 

Alexandra Fülscher (Zentralinstitut für Weiterbildung (ZIW), Universität der Künste Berlin, Master Musiktherapie)
Die böse Schildkröte ist wieder da: Die Rolle des szenischen Spiels in der musiktherapeutischen Arbeit mit einem geflüchteten Jungen

Selina Kehl (Zürcher Hochschule der Künste in Kooperation mit der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik, MAS Klinische Musiktherapie)
Kreative Musiktherapie mit Frühgeborenen und ihren Eltern. Eine Pilotstudie zu möglichen Auswirkungen auf das Stress- und Beziehungsverhalten der Eltern

Eun Jin Nausner (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Diplomstudiengang Musiktherapie)
Interkulturelle Kompetenz in der Musiktherapie. Eine Untersuchung therapeutischer Qualitäten in der Arbeit mit Menschen aus anderen Kulturkreisen

2018: Anita Neudorfer, Belobigung: Daniela Lechner
2016: Jacqueline Stohler, Belobigungen: Susanne Korn, Isolde Binzer
2014: Sina Glomb, Belobigung: Eva-Maria Eidenbenz
2012: David Kierspel, Belobigungen: Lukas Hartl, Stefanie Hoffmann
2010: Karin Holzwarth, Belobigung: Monika Kern
2008: Monika Esslinger, Belobigungen: Saya Shiobara, Agnes Burghardt
2006: Regina Weiß, Belobigungen: Britta Warme, Julia Scholtz
2004: Ulla Pfefferle, Belobigungen: Juliane Stein, Isabell Paduch, Eva Phan Quoc
2002: Monika Smetana (vorm. Lagler), Belobigung: Karin Mössler
2000: Ulrike Mönter, Belobigungen: Susanne Heinze, Dorothea Schönhals-Schlaudt

Gertrud Katja Loos-Medaille

Mit der Katja-Loos-Medaille ehrt die DMtG Personen oder Institutionen von überregionaler Bedeutung, die sich in besonderem Maße für die Musiktherapie eingesetzt haben, selbst jedoch nicht musiktherapeutisch tätig sind. Mit der Namensgebung halten wir das Gedenken an Gertrud Katja Loos (1916 – 2000) lebendig – eine Wegbereiterin der Musiktherapie in Deutschland, deren Name untrennbar mit der Entwicklung der Musiktherapie im deutschsprachigen Raum verbunden ist.

Die Medaille hat einen symbolischen Wert: Sie zeigt die Fotografie einer antiken minoischen Gemme, die nach Meinung von Archäologen eine Muschelhornspielerin zeigt und etwa aus der Zeit 2000 v. Chr. datiert. Das Original befindet sich heute in einem Museum in Iraklion.

2020 Dr. Helmut Röhrborn
2018 Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther (Laudatio: Prof. Dr. Isabelle Frohne-Hagemann)
2013 Deutsche Kammerphilharmonie Bremen (Laudatio: Prof. Dr. Almut Seidel)
2011 Prof. Dr. Peter Petersen (Laudatio: Dr. Monika Nöcker-Ribaupierre)
2007 Paul Rothenfußer, Rothenfußer-Stiftung (Laudatio: Prof. Dr. Thomas Wosch)
2006 Prof. Dr. David Aldridge (Laudatio: Dr. Monika Nöcker-Ribaupierre)
2005 Prof. Dr. Horst Kächele (Laudatio: Prof. Dr. Tonius Timmermann)
2003 Andreas-Tobias-Kind-Stiftung (Laudatio: Monika Nöcker-Ribaupierre)
2002 Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Rauhe, Präsident der Hochschule Hamburg
2001 wiss. Leitung der Psychotherapiewochen Lindau (Laudatio: Prof. Dr. Susanne Metzner)
2001 Volker Bernius, Redakteur HR und der Musiktherapeutischen Umschau