Psychiatrie

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Musiktherapie in der Psychiatrie

Musiktherapie wird in allen Bereichen der Psychiatrie eingesetzt: in der allgemeinen Psychiatrie, in der Gerontopsychiatrie, in der Forensik und der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Indikationsstellung für die Musiktherapie in der psychiatrischen Behandlung erfolgt nicht nur anhand der aktuellen Diagnose, sondern sollte auch bezüglich der aktuellen psychischen Befindlichkeit, der Kommunikations- und Introspektionsfähigkeit des jeweiligen Patienten abgewogen werden.

Musiktherapie wird in der psychiatrischen Klinik als Teil der Gesamtbehandlung (Metzner 1999) angesehen und die kreativen Möglichkeiten der Musiktherapie sind besonders in diesem Setting sehr gefragt (Fürmaier in Rentmeister Hg. 2006). Im interdisziplinären Arbeitsfeld mit den unterschiedlichen Berufsgruppen in einer Psychiatrie, wie Gesundheits- und Krankenpflegern, Ärzten, Psychologen, Sozialarbeitern, Ergo-, Kunst-, Bewegungs- und Physiotherapeuten, die neben der medikamentösen Behandlung zusätzlich noch verschiedene psychologische Ansätze mit sich bringen, versteht sich die Musiktherapie meist der Psychotherapie zugehörig. In Bezug auf die psychoanalytische Musiktherapie wird das gemeinsame Musizieren mit psychiatrischen Patienten als „interaktionelles Aushandeln innerseelischer Konflikte“ (Metzner 1999) verstanden. Im Laufe der musiktherapeutischen Behandlung lassen sich in der Vergangenheit erlebte Lebensereignisse erkunden und überarbeiten. Laut der internationalen Klassifikation begegnen einem maßgeblich folgende Störungsbilder in der Psychiatrie: Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen (ICD 10: F20-F29), Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (ICD 10: F60-F69), Affektive Störungen (ICD 10: F30-F39), Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (ICD 10: F40-F48) und Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (ICD 10: F10-F19).

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird Musiktherapie für besonders indiziert erachtet bei Patienten, die (noch) keine Sprache entwickelt haben, Sprachhemmungen oder keine Sprache mehr haben sowie bei autistischen (F84) und mutistischen (F94) Kindern und Jugendlichen (Frohne-Hagemann und Pleß-Adamczyk 2005).

Die Indikation zur Musiktherapie wird bei stationären Patienten im Rahmen eines Behandlungsplanes mit dem interdisziplinären Team und unter Berücksichtigung der Bereitschaft zur Therapieteilnahme – möglichst nach einer Probestunde – gestellt.

In den psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland gehört die Musiktherapie zu den am häufigsten angewandten Verfahren neben den anerkannten Verfahren der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie (Andritzky 1996).

Autorin : Flora Kadar (2018)

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