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Sechs Fragen an Dorothea Muthesius: „Was kann man da falsch machen?“

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Von Volker Bernius –

Prof. Dr. Dorothea Muthesius (Berlin) und Prof. Dr. Jan Sonntag (Hamburg) sind beide seit langem Experten beim Thema Musiktherapie und Demenz. Im neuen Themenheft 2019 Fehlerkultur der Musiktherapeutischen Umschau, der Fachzeitschrift der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft, haben sie beschrieben, welche Fehler Musiktherapeut.innen im Umgang mit Menschen mit Demenz machen können: „Kann man da etwas falsch machen?“

Prof. Dr. Dorothea Muthesius, UdK Berlin
Prof. Dr. Dorothea Muthesius. Foto: Constantin Kühne

Dabei führen sie sowohl die methodenspezifischen Fehler auf, geben aber auch Hinweise dazu, wie die Qualität der therapeutischen Praxis eingeschätzt und gesichert werden kann (und muss!). Mit kurzen Fallbeispielen stellen Jan Sonntag und Dorothea Muthesius das Dementia Care Mapping (DCM) ausführlich vor wie auch die Einschätzung von Beziehungsqualitäten (EBQ). Autorin und Autor regen zu einem offenen und reflektierten Umgang mit therapeutischen Fehlern an als Bestandteil qualifizierter Musiktherapie. (red.)

Im Interview antwortet Dorothea Muthesius auf die folgenden sechs Fragen der Redaktion.

 

 

Was war bisher Ihr größter Fehler im Umgang mit dementen Menschen?

Zu wenig Pausen gelassen zu haben zwischen musikalischen Aktionen, die hohes Engagement ausgelöst hatten.

„Demente Menschen bekommen sowieso nichts mehr mit“. Das denken viele in der Öffentlichkeit – also auch keine Fehler, die das Betreuungspersonal oder Angehörige machen.

Ist das so?

Sie stellen sehr differenziert mögliches Fehlverhalten vor – was sind nach Ihrer Meinung die größten Fehler, die man im Umgang mit dementen Menschen machen kann?

Sie in Diskussionen verwickeln, ihnen mit einem „aber Du hast doch eben…“ begegnen, ihr Bedürfnis nach Nähe nicht ernstnehmen…

Worauf sollten Angehörige im Umgang mit dementen Betroffenen besonders achten?

Dass sie sich selbst genügend Freiraum verschaffen, dass es ihnen immer gut geht. Denn nur wenn es dem pflegenden Angehörigen gut geht, kann er auch gut pflegen.

Wie sind Sie gerade auf das ‚Nachdenken über Fehler‘ gekommen?

Zwangsläufig: ohne die eigenen Fehler zu sehen, gibt es keine Entwicklung und ohne Entwicklung kann man etwas nicht langjährig machen – jedenfalls nicht mit Genuss.

Wie hat Ihre Zusammenarbeit mit professionell Pflegenden und pflegenden Angehörigen funktioniert?

Pflegende Angehörige betreuen ihren Patienten 24 Stunden am Tag. Ihre Interventionen müssen ganz anders sein als unsere. Wir Musiktherapeuten haben es leicht, verwirrendes Verhalten eine Stunde lange „auszuhalten“, oder besser: damit kreativ umzugehen. Und sie kennen ihren Angehörigen im demenzfreien Zustand, müssen also dauernd Verluste ertragen.

Professionell Pflegende haben acht Stunden Zusammensein. Und sie haben nicht die Involviertheit in die familiäre Beziehung. Sie haben es also leichter als die pflegenden Angehörigen aber auch schwerer als ein Musiktherapeut, der in seiner Sonderrolle immer alles anders machen kann.

Wir, die Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten, sehen den Patienten „neu“ – auch das erleichtert das Entstehen von Kreativität erheblich. Von diesem „neu“ Sehen profitieren die Angehörigen oftmals ebenso wie die Patienten

Beide müssen allerdings ein sehr großes Herz haben, dass sie nicht eifersüchtig werden, wenn der Kontakt zwischen Musiktherapeut und Patient manchmal besser klappt als der eigene.

Die Fragen stellte Volker Bernius (Musiktherapeutische Umschau).

Für weitere Fragen an Prof. Dr. Dorothea Muthesius: d.muthesius@udk-berlin.de.

Den Artikel “Kann man da was falsch machen? Fehler in der Musiktherapie mit Menschen mit Demenz” von Dorothea Muthesius und Jan Sonntag finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Musiktherapeutischen Umschau, 40, Band 4/2019, S. 311-312.

 

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