Filmrezension Musikfilme aus musiktherapeutischer Sicht vonHaffa-Schmidt Back

Die zwei von der Filmstelle:
“The Sound After The Storm”

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Wenn die beiden Musiktherapeutinnen Christine Back und Ulrike Haffa-Schmidt in Nürnberg ins Kino gehen, setzen sie ab und zu ihre Musiktherapeutenbrille auf. Dabei entdecken sie immer wieder interessante Berührungspunkte zu ihrem Berufsfeld.

The Sound After The Storm

  • Erscheinungsjahr: 2009
  • Dauer: 85 Minuten
  • Regie: Patrick Soergel, Ryan Fenson-Hood, Sven O. Hill
  • Darsteller: Lillian Boutté, Dr. Michael White, Armand „Sheik“ Richardson
  • Genre: Dokumentation
  • Produktionsland: Schweiz
  • Original, in englischer Sprache unter: https://vimeo.com/82035784 password: thesound2009
  • Mit deutschen Untertiteln als DVD erhältlich bei: ventura@venturafilm.ch

Eigentlich...

… sollte unser August Film-Blog-Beitrag zum Sommer passen, mit Sonne, Spaß und Urlaubsstimmung und der Freude darüber, dass endlich die Kinos wieder offen sind.

Doch dann drängen Mitte Juli die dramatischen Nachrichten der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands in den Vordergrund, mit den verheerenden Folgen von Chaos, Verwüstung und Leid. Menschen verlieren ihr Leben, Einwohner werden vermisst und viele andere stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.

Als Ulli und ich uns besprechen, fällt mir ein Film ein, den ich 2020 in unserem Nürnberger Filmkunsttheater Casablanca angeschaut habe: The Sound After The Storm. Und wir beide spüren: dieser Film ist unser aktueller Blog Beitrag, weil es hier um den Umgang mit einem hereinbrechenden Schicksal geht und um das Überleben mit Musik.

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Zum Inhalt

Ende August 2005 erlebte der südöstliche Teil der USA an der dortigen Golfküste und insbesondere der Großraum New Orleans mit dem Hurrikan Katrina eine Naturkatastrophe von verheerendem Ausmaß. Der Sturm mit Spitzenwindgeschwindigkeiten von 280 km/h, eine Minute anhaltend, und die folgend entstandene Flut, die 80 Prozent des Stadtgebietes von New Orleans mit fast acht Metern unter Wasser setzte, forderte mehrere tausend Menschenleben und machte geschätzte ein Millionen Menschen obdachlos.

Der Film erzählt von diesem Ereignis aus der Perspektive von drei Personen. Da ist zum einen Lillian Boutté, Sängerin und nach Louis Armstrong „Jazz-Botschafterin von New Orleans“. Sie lebt seit über 25 Jahren in Deutschland und hat von dort aus die Katastrophe beobachtet und um ihre Familie gebangt. Daneben ist es der Klarinettist Dr. Michael White, der fliehen konnte und nicht nur sein gesamtes Hab und Gut verlor, sondern auch unbezahlbare und unwiederbringliche Musik-Zeitdokumente und Instrumente. Und da ist der Fotograf Armand „Sheik“ Richardson, der die Tragödie hautnah er- und überlebte, und dessen Video- und Bildaufnahmen erschüttern und das Unvorstellbare vorstellbar werden lassen. Die drei engagierten sich auf unterschiedliche Weise, die entstandene Not zu lindern, das Vergessen und die Vernachlässigung der Opfer zu verhindern und für einen Wiederaufbau zu kämpfen.

Der Film greift ein Trauma auf, bei dem die existentielle Bedrohung auch die Musik trifft. In den Straßen, die vorher (so beschreibt es White) erfüllt waren von den Geräuschen der Menschen und vor allem von Musik, war nach der Katastrophe nur noch Stille. Die Musik war verstummt und Klang auf ein Minimum reduziert. Und drei Jahre danach war es immer noch so. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Film gedreht. Von den staatlichen Behörden kam keine Hilfe. Wer zurück wollte fand weder eine funktionierende Infrastruktur vor, geschweige denn Nachbarn. Und dennoch greifen Menschen zur Selbsthilfe und auch wieder zu einem Instrument. Die junge Musikgruppe „The Next Generation Brass Band“ geht auf die von der Flut gezeichnete Straße und musiziert.

Fazit: Sehenswert!

Christine Back

Christine Back

Christine Back ist Musiktherapeutin, Lehrmusiktherapeutin (DMtG), Heilpraktiker für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz (HPG). Tätigkeit in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Martha-Maria-Krankenhaus Nürnberg, div. Lehrtätigkeit, selbständige Musikerin und Komponistin.

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