Filmrezension Musikfilme Haffa-Schmidt Back

Die zwei von der Filmstelle:
The High Note

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Autorinnen: Christine Back und Ulrike Haffa-Schmidt

Wenn die beiden Musiktherapeutinnen Christine Back und Ulrike Haffa-Schmidt in Nürnberg ins Kino gehen, setzen sie ab und zu ihre Musiktherapeutenbrille auf. Dabei entdecken sie immer wieder interessante Berührungspunkte zu ihrem Berufsfeld.

The High Note

  • Filmstart: 26. Juni 2020
  • Dauer: 114 Minuten
  • Regie: Nisha Ganatra
  • Darsteller: Johnson, Tracee Ellis Ross, Kelvin Harrison Jr.
  • Genre: Spielfilm, Musikfilm

Der erste Musikfilm nach Lockerung des Shutdown im Kino! Auch wenn der Film vom Inhalt her nicht unsere erste Wahl ist – klar, wir wollen rein!

Die Geschichte ist einfach gestrickt, ziemlich vorhersehbar und sehr amerikanisch: „Wenn du wirklich was willst, brenne und kämpfe dafür und dann schaffst du das auch!“

Und die Geschichte arbeitet mit Gegensätzen und mit wirklich allen Klischees wie arm und reich, schwarz und weiß, Mann und Frau, Idealismus und Kommerz, Zweifel und Selbstbewusstsein, Intuition und Berechnung.

Die Handlung ist schnell erzählt: Maggi (Dakota Johnson) arbeitet als „Mädchen für alles“  bei der berühmten, exzentrischen und von ihr verehrten Pop-Diva Grace Ellis (Tracee Ellis Ross), hat aber darüber hinaus eigene Ambitionen. Sie will Musikproduzentin werden und ihre eigenen Ideen verwirklichen. Als Graces Manager Jack (Ice Cube) der Diva neue Karrierevorschläge macht, sieht Maggi für sich die einmalige Chance, für ihr Idol aktiv zu werden.

Was hat dieser Film in unserem Musiktherapeutenblog zu suchen? Was ist aus unserer Sicht interessant?

Dagegen sprechen die Vorhersehbarkeit der Handlung, die schwachen Charaktere und insgesamt die Oberflächlichkeit des Films. Dafür spricht, dass wir beide bei einigen Musikszenen (aber nur da) Gänsehaut bekommen haben und uns der Film unterhalten hat. Das ist doch schon mal was.

Bei Bier und Prosecco beschäftigt uns die Frage: Dürfen wir als Musiktherapeutinnen nur an vielschichtigen Charakteren und intensiven Musikmomenten Interesse haben? Oder darf es nicht auch mal trivial und oberflächlich sein? Das stellen wir gerne zur Diskussion und freuen uns auf Rückmeldungen.

Der zweite Aspekt, der uns interessiert ist der Unterschied zwischen einer professionellen Musikproduktion und dem „Musik-Produkt“, das in der Musiktherapie entsteht zwischen Patienten*in und Therapeut*in. Der Film zeigt viel von professioneller Studioarbeit, die so ganz anders ist, als unsere Arbeit und die in der echten Realität auch nicht so locker von der Hand geht wie im Film – berichtet Christine aus ihrer eigenen Studiozeiterfahrung. Mit wohl durchdachten musikalischen Mitteln und Techniken werden beim Hörer Gefühle erzeugt, mit denen er sich gut oder verstanden fühlt, die Musik cool und hip findet und natürlich Geld dafür ausgibt. Das wirkt sehr berechnend und auch manipulativ. Gleichzeitig spürt man, welche Intuition, welches Handwerkszeug und welches Wissen über die Wirkung von bestimmten Sounds, Rhythmuspattern, Lautstärke und kleinen Stimmnuancen zugrunde liegt und das finden wir sehr toll.

Und beim Austausch über diese Art von Professionalität landen Christine und ich wieder bei der Musiktherapie und beim musiktherapeutischen Handwerkszeug. Wie zeigen wir unsere Professionalität? Woran messen wir unseren Erfolg? Wie intervenieren wir in Improvisationen, wenn wir mehr hören und fühlen als unsere Patient*innen? Wo ist Kommerzialität sinnvoll? Dürfen wir in und mit der Musik manipulativ sein, wenn das Ziel emotionale Erfahrungen sind? Auch bei diesem Punkt freuen wir uns auf eure Meinung.

Und einen weiteren Aspekt finden wir schreibenswert: der Film zeigt keine Szenen physischer und psychischer Gewalt. Diesen Film können wir auch solchen Menschen empfehlen, die Angst haben, im Kino angetriggert zu werden.

Fazit: Feelgood-Film.

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