Filmrezension Musikfilme aus musiktherapeutischer Sicht vonHaffa-Schmidt Back

Die zwei von der Filmstelle und der Film “Die zwei Päpste”

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Musikfilme zwischen Nürnberg und Hollywood.

Autorinnen: Christine Back und Ulrike Haffa-Schmidt –

Wenn die beiden Musiktherapeutinnen Christine Back und Ulrike Haffa-Schmidt ins Kino gehen setzen sie ab und zu ihre Musiktherapeutenbrille auf. Dabei entdecken sie immer wieder interessante Berührungspunkte zu ihrem Berufsfeld.

Die zwei Päpste

  • Filmstart: August 2019
  • Dauer: 125 Minuten
  • Regie: Fernando Meirelles
  • Darsteller: Anthony Hopkins, Jonathan Pryce 
  • Genre: “Narrative Non-fiction”
  • Produktionsländer: Argentinien, Italien, Uruguay, Spanien 

Im Gegensatz zu meiner Kollegin Ulli, die über die aktuellsten Film­neuerscheinungen schon informiert ist, noch bevor irgendjemand weiß, dass sie in den Kinoprogrammen gedruckt werden, bekomme ich Filme zum Teil eher zufällig mit, weil sie mir sozusagen irgendwie über den Weg laufen. Und jetzt, in Zeiten von Corona-Maßnahmen und geschlossenen Kinosälen, ist mir einer dieser Überraschungsmomente passiert, als ich auf Netflix den Film „Die zwei Päpste“ angeklickt und angeschaut habe. Danach war klar – der Film gehört in unseren Blog.

Grundlage für den Film ist das Buch „Die zwei Päpste: Franziskus und Benedikt und die Entscheidung, die alles veränderte“ von Anthony McCarten, der auch das Drehbuch schrieb. Daneben soll das „Verbotene Tagebuch“ eines anonymen Kardinals zum Konklave 2005 zur Recherche gedient haben. Die Handlung erzählt vom überraschenden Rücktritt von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2013 und der darauf folgenden Wahl des ersten Papstes aus Lateinamerika, Papst Franziskus.  Im Film wird dies in einer Art Kammerspiel von Anthony Hopkins und Jonathan Pryce dargestellt, und das mit hoher Schauspielkunst. Außer in eindringlichen biographischen Rückblenden, ist es eher ein Film, der über die Dialoge und über subtil eingesetzte Wirkräume funktioniert, wie Bilder, symbolträchtige Örtlichkeiten, Mimik und einem ausgesprochen feinsinnigen Einsatz von Musik.

Allein schon deswegen passt der Film in unseren Blog. Aber was macht ihn so besonders für uns Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten? Es geht mir speziell um eine Szene, nämlich als Papst Benedikt XVI. bei einem der Treffen mit Kardinal Bergoglio am Klavier spielt und durch Musik unvermittelt ein gemeinsamer Raum zwischen den beiden so gegensätzlichen Charakteren entsteht. Man hat das Gefühl, dass danach „irgendetwas anders“ ist und dass dadurch in der Beziehung der beiden Männer eine Idee von Annäherung, Verständnis und Veränderung entsteht, die nicht mehr zurückgenommen werden kann. Das hat im Film tatsächlich etwas Magisches und ist beeindruckend filmisch umgesetzt.

Und dabei geht es im Film inhaltlich um nicht weniger als das fundamentale Ringen um Tradition und Fortschritt, Macht und Machtmissbrauch, Schuld und Vergebung, dass sich Menschen ihrer Vergangenheit stellen und dies mit dem Ziel tun, für sich und miteinander eine Zukunft zu gestalten. Dass der Musik dabei eine solch bedeutende Rolle und Funktion zugesprochen wird, finde ich am Film bemerkenswert.

Mein Fazit: Sehr sehenswert

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