Wie Musik im Coaching und Training förderlich ist Abels Musiktherapie-Blog

Wie Musik im Führungs­coa­ching und Training förderlich ist

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Autor: Antonius Abels –

Herr Abels, Elemente aus der Musiktherapie mit Führungscoaching und Training zu verbinden – wie sind Sie darauf gekommen?

 Die großartigen Methoden aus dem Coaching und Techniken aus der Musiktherapie miteinander zu verbinden, war für mich im beruflichen Alltag schon immer eine starke Triebfeder. Nach langjähriger Tätigkeit als Führungskraft in verschiedenen Branchen und Ebenen der mittelständischen Industrie habe ich mich dieser Aufgabe vor über zehn Jahren auch als Coach beruflich gestellt. Mit dem Wissen, wie wertvoll gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen eines Unternehmens sind, und angesichts der immer größeren Zahl an Menschen, die aufgrund von Überlastung am Burnout-Syndrom leiden, hatte ich mit Trainern und Coachs Überlegungen angestellt, wie sich dieser Entwicklung entgegenwirken lässt. Bei regelmäßigen internen Trainings im Rahmen der Gesundheitsvorsorge für Führungskräfte, habe ich dann mit Kollegen aus verschiedenen Führungsebenen, und Musiktherapeuten, ein Programm entwickelt, um das Burn-out-Risiko systematisch, und unter Einbeziehung der Musik, im betrieblichen Alltag anzugehen.

Wer ist dem Burnout-Risiko am stärksten ausgesetzt?

Betroffene sind vor allem Personen zwischen 30 und 50 Jahren – ein Alter, in dem man Tag für Tag Beruf und privates Umfeld miteinander in Einklang bringen muss.

Die durch die Digitalisierung ermöglichten flexiblen Arbeitszeitmodelle erweisen sich angesichts der damit einhergehenden Forderung nach ständiger Erreichbarkeit eher als zusätzliche Belastung.

Ob Leistungsdruck im Job, Probleme in der Partnerschaft oder familiäre Aufgaben – jeder kennt das Gefühl, wenn einem alles über den Kopf zu wachsen droht. Die oft zitierte Work-Life-Balance ist meist mehr Theorie als Praxis, und gerade die durch die Digitalisierung ermöglichten flexiblen Arbeitszeitmodelle erweisen sich angesichts der damit einhergehenden Forderung nach ständiger Erreichbarkeit eher als zusätzliche Belastung denn als echte Flexibilität. Der dadurch erzeugte Druck, Stress und Überforderung sind im Kern die Ursachen für einen Burnout.

Können Sie dies anhand eines Fallbeispiels aus Ihrer Berufspraxis verdeutlichen?

Ein Mitarbeiter eines großen Unternehmens – nennen wir ihn Martin, zirka 50 Jahre alt, und damals seit über 25 Jahren in der Firma tätig. Nach der Ausbildung hatte ihn sein beruflicher Weg dort sehr schnell die Karriereleiter nach oben geführt. Kunden und Mitarbeiter schätzten ihn. Er glaubte, eine gute Ehe zu führen, auch wenn der Kinderwunsch nicht erfüllt worden war.

Viel später erst merkte er, dass es nicht nur im Job, sondern auch in seiner Ehe kriselte. Die Beziehung ging in die Brüche – sollte er nun auch den bis dahin geliebten Job aufgeben? Konnte ihm ein Führungscoaching dabei behilflich sein, seiner Arbeit wieder mit Freude nachzugehen? Mit folgender Aussage trat Martin an Pathfinder heran: „Ich möchte meinen Job aufgeben und etwas ganz anderes machen.“

Was waren die ersten Schritte in Martins Coaching?

Nach einem ausführlichen Erstgespräch wurde ein gemeinsamer „ Arbeitsplan“ entwickelt. Die Musik war von nun an sein ständiger Begleiter auf dem neuen Weg – auf Martins positiven Erinnerungen an seinen Klavierunterricht als Kind aufbauend -, um konstruktiv und erfolgreich zu den eigenen, bisher verdeckten Ressourcen zu finden. Gemeint sind jene Momente, in denen wir klare Entscheidungen treffen, neue Ideen entwickeln und neue Sichtweisen einnehmen können, die uns eine Problemlösung finden lassen. So wird der Grundstein für neue Ziele gelegt, deren Bewusstmachung die eigentliche Aufgabe des Coachings ist. Nur durch Stärkung der vorhandenen Ressourcen können wir neue Wege und Lösungen in unseren beruflichen Alltag einbringen.

Schon nach wenigen Sitzungen, von je 90 Minuten Länge, zeigten sich erste kleine Erfolge, wie eine Verbesserung des Zeitmanagements. Die Arbeit begann Martin wieder Freude zu machen. Bald war er in leitender Position tätig. Auch privat ging es aufwärts, und Martin ist wieder glücklich verheiratet.

Was ist der Unterschied zwischen Coaching unter Einbeziehung von Musik, und klassischem Coaching?

In herkömmlichen Coaching-Situationen steht das Gespräch mit den Klienten im Mittelpunkt. Der Coach ermutigt sie durch gezielte Fragen, über bestimmte Themen zu sprechen und sie zu reflektieren. Der Prozess findet also vorwiegend verbal statt, indem wir die Situation diskursiv und rational zu erfassen versuchen.

Auf das Coaching mit musiktherapeutischen Elementen bin ich vor zehn durch zahlreiche Seminare und Fortbildungen u.a. in den Bereichen Musik und Musiktherapie gekommen. Mich selbst hat damals sehr beeindruckt, wie viele Einsichten ich durch musiktherapeutische Methoden über mich gewinnen konnte. Vor allem solche Einsichten, zu denen ich über das Gespräch mit einem Coach nicht gelangt war. Das hat mich so inspiriert, dass ich früh begann, meinen Klientinnen und Klienten in Workshops, in Seminaren und auch in Einzelgesprächen auch Musikinstrumente zur Verfügung zu stellen.

Die Musik ist eine zusätzliche Kraftquelle.

Es heißt nicht umsonst „Mit Musik geht alles besser“. Musik harmonisiert im Coaching viele angespannte Situationen. Sie bringt den Menschen in Bewegung und ermöglicht es ihm, sich als Einheit, als ein Kraftfeld zu fühlen. Wenn das geschieht, schwingen die Gehirnzellen synchron und die Arbeitsatmosphäre im Raum wird als „gut“ empfunden. Auch bei einer guten Coaching Sitzung zwischen Klient und Coach schwingen die Gehirnzellen in Harmonie. In diesem Zustand der harmonischen Schwingungen gibt es keine Zusammenstöße. Die Musik ist eine zusätzliche Kraftquelle: Sie stärkt und motiviert uns im Coachingprozess.

Wie genau verbinden Sie die beiden Ansätze?

Die Resonanzbild-Methode fasziniert mich besonders. Dabei malen die Klienten zunächst ein Bild über die Situation, die sie beschäftigt. Das ist das sogenannte ‚Initialbild‘.

So können die Teilnehmenden eine berufliche Führungs- oder Veränderungssituation über das Bild zum Ausdruck bringen. Anschließend werden diese verschiedenen Initialbilder in der Gruppe betrachtet. Dabei geht es um die Frage, welches Bild einer anderen Person bei mir eine besonders starke Resonanz auslöst, in mir am stärksten nachklingt. Als Ergänzung zur bildhaften Darstellung kann dann Musik zum Einsatz kommen, durch die das Bild „hörbar“ gemacht wird. Das kann zum Beispiel durch Spielen von Bongos erfolgen, wodurch ein innerbetrieblicher Konflikt durch verschiedene Rhythmen hörbar gemacht wird.

Schauen wir uns das an einem weiteren Beispiel an: Ein Klient in der Coaching-Gruppe ist Führungskraft und fühlt sich am Arbeitsplatz, in seiner Rolle als Abteilungsleiter, die er ein Jahr zuvor übernommen hat, unsicher. Wenn er dann, möglicherweise, ein Bild von einem Floß malt, das im Meer umher schaukelt, und das Ganze mit einer bestimmten Musik unterlegt, entsteht ein „bewegtes Bild“, das so in den Gruppenprozess „hineingesetzt“ (??) wird.

Durch die musikalische Freiheit ist eine persönliche Freiheit entstanden.

Wie geht die Gruppe weiter damit um?

In der Gruppe passiert dann, dass jeder sein jeweiliges „ inneres Bild“ mit der eigenen musikalischen Kreativität kurz vorstellt. Den Teilnehmern stehen dazu verschiedene Klangkörper zur Verfügung, unter anderem ein Becken, eine Trommel, Bongos, Xylophone und natürlich die eigene Stimme. So verfährt jeder Teilnehmer in der Gruppe sowohl mit seinem eigenen gemalten Bild als auch mit seinem Instrument.

Der Coach begleitet diesen Prozess, indem er situationsbezogen Emotionen der einzelnen Teilnehmer aufnimmt, diese schriftlich festhält, und dem Klienten im Einzelgespräch später zu einer Reflexion einlädt.

Mit diesen „neuen“ Erkenntnissen wird der Teilnehmer dann wieder in die Gruppe entlassen, wo er seine neu erworbenen Kenntnisse beziehungsweise Verhaltensweisen zum Einsatz bringen kann. So kommt es vor, dass er das Instrument wechselt, sein Bild zerreißt, oder sich eine neue Musik sucht. Durch mehrmalige Wiederholung  dieses Vorganges verändert sich schließlich das Gruppenverhalten.

Fazit: Durch die musikalische Freiheit ist eine persönliche Freiheit entstanden. Die Kreativität, das Selbstvertrauen und die Kommunikation wurde verbessert.

Hören Sie auch Musik in Ihren Coaching-Sitzungen?

Ich verwende in den Sitzungen und Trainings eine Mischform. Sitzungen, die ich mit einem aktiven, spielenden Teil beginne, können am Ende mit einem gemeinsam angehörten Musikstück oder dem Anhören einer Aufnahme der musikalischen Produktion der Sitzung enden. Eine Herausforderung ist die aktive Einbeziehung der Teilnehmer, wenn ich sie zum Beispiel einlade, ein für sie wichtiges Musikstück, aus der Vergangenheit oder Gegenwart, mitzubringen und der Gruppe vorzustellen.

Wesentliche Voraussetzung für das Gelingen ist auch immer die Persönlichkeit des Coaches selbst.

Finden die Coachings von Führungskräften auch in Gruppen, oder eher in Einzelsettings statt?

Bei Führungskräften geht es meist um Einzelcoaching. Bei Führungsproblemen in der Gruppe ist das jedoch nur bedingt sinnvoll, da es sich in dem Fall um Systemisches Coaching handelt. Dabei handelt es sich um ein aufgabenbezogenes, Ressourcen- und Lösungsorientiertes Beratungsformat für Führungs- und Leitungskräfte sowie Teams und Einzelpersonen in Organisationen. Wesentliche Voraussetzung für das Gelingen ist auch immer die Persönlichkeit des Coaches selbst.

Wie lange kommen Ihre Klienten normalerweise zu Ihnen?

Das ist sehr verschieden, abhängig von der Aufgabenstellung. In den Unternehmen kann es sich um einen Zeitraum von rund einem Jahr handeln. In Einzelsitzungen kann es sogar länger dauern, da es vorkommt, dass man einen Fachmann, einen Psychotherapeuten etwa, heranziehen muss. Zum Beispiel bei Burnout oder anderen psychischen Erkrankungen.

Verbinden Sie immer verbale Coaching-Ansätze mit musikalischen, oder nur, wenn die Klienten dies gezielt Ansätze wünschen?

Letzten Endes ergibt sich die Wahl des Ansatzes oder der Ansätze aus dem Vorgespräch und dem weiterem Verlauf. Wir holen nach jeder Sitzung ein Feedback vom Klienten ein, auf dessen Basis das weitere Vorgehensweise für die nächsten Sitzungen besprochen. Es kommt aber auch vor, dass gleich nach dem musikalischen Ansatz gefragt wird. Oft werden Klienten durch Anregungen früherer Kursteilnehmer auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Oder sie werden nach einem Burnout gezielt von einem Psychotherapeuten auf die Einbeziehung von Musik hingewiesen, denn hier geht es teils um eine neue, veränderte berufliche Situation, die dann meist im Einzelcoaching, zum Teil auch länger als ein Jahr, begleitet wird.

Herr Abels, wir bedanken uns für das interessante Gespräch!

Antonius Abels Autor Musiktherapie-Blog der DMtG
Antonius Abels. Foto: Pathfinder GbR

Antonius Abels ist Führungscoach und Trainer im Management. Er war lange Zeit als Führungskraft in der Industrie tätig. Nach klassischer Berufsausbildung und Studium lernte er über Umwege die Musiktherapie kennen. Dank zahlreicher Weiterbildungen im musikalischen Bereich, ebenso wie im Coaching, ist er heute eine wertvolle Säule des Unternehmens Pathfinder. Sein Instrument ist neben der Gitarre die Kirchenorgel, die er in seiner Freizeit mit Leidenschaft spielt.

Herr Abels bietet Musiktherapeuten, die auf Grund der Coronakrise nicht arbeiten können, ein Telefoncoaching an. Für Terminvereinbarungen schreiben Sie bitte eine Email an info(at)pathfinder.network.

 

Homepage: www.pathfinder.network

Die Fragen stellte Bettina Eichmanns.

Quelle Header-Foto: pxhere.

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