1. IRAT Day an der Medical School Hamburg. Foto: Judith Revers

IRAT-DAY zu Interdisziplinärer Forschung der Künstlerischen Therapien

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Am 27.Mai 2026 lud das Team des IRAT (Institute for Research in the Arts Therapies) die Hochschulöffentlichkeit zum 1. IRAT-Day ein. Rund fünfzig Studierenden des Campus Arts and Social Change der MSH Medical School Hamburg, sowie einigen Alumnae und Lehrenden wurden das Institut und ausgewählte Projekte präsentiert, und es gab Raum für Diskussion und Austausch.

Profil und Geschichte des IRAT

Das IRAT wurde 2023 am Campus Arts and Social Change der MSH Medical School Hamburg gegründet. Seitdem hat es sich unter der Leitung von Prof. Dr.  Anne-Katrin Jordan (Musiktherapie) und Prof. Dr. Judith Revers (Kunsttherapie) rasant zu einem blühenden Forschungszentrum entwickelt.

1. IRAT Day an der Medical School Hamburg. Foto: Judith Revers
Prof. Dr. Anne-Katrin Jordan beim 1. IRAT Day an der MSH Medical School Hamburg. Foto: Judith Revers

 

Unter dem Dach des IRAT sind derzeit dreizehn Projekte – davon drei bereits abgeschlossen – angesiedelt. Eine Besonderheit: Das Institut repräsentiert das gesamte Spektrum Künstlerischer Therapien mit ihren vielfältigen interdisziplinären Bezügen. Durch interdisziplinäre und internationale Forschung werden die Wirkungen von Kunst-, Musik- und Tanztherapie untersucht und die theoretischen Grundlagen der Disziplinen geschärft.

Forschungsschwerpunkt Wirkfaktoren der Künstlerischen Therapien

Im Zentrum der Forschung steht die Untersuchung der Wirkfaktoren der jeweiligen Künstlerischen Therapien und ihrer Behandlungselemente. Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden u.a. Mixed-Methods-Forschungsmethoden eingesetzt, zum einen um den Bedarf an quantitativen randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zu bedienen und zum anderen, um tiefergehende qualitative Informationen zu erhalten.

Neben standardisierten Messinstrumenten der Psychologie werden auch spezifische Assessment- Instrumente der Künstlerischen Therapien verwendet. Auch eine Weiterentwicklung und Evaluation von Assessment-Instrumenten ist angestrebt.

Interdisziplinäre Grundlagenforschung

Zusätzlich widmet sich das Forschungsinstitut interdisziplinärer Grundlagenforschung in Kooperation mit den Kognitions- und Neurowissenschaften, der Kunstgeschichte, Philosophie, Soziologie und Psychologie. Beforscht wird hier, wie ästhetische Phänomene und Prozesse vom Menschen wahrgenommen und verarbeitet werden und zu therapeutischen Zwecken genutzt werden können.

Die bisherigen IRAT-Projekte

Projekte, die am IRAT-Day vorgestellt wurden, mit Nennung der Projektleitungen:

  • Die Kunst des EEG – Kooperation von Kunst, Kunsttherapie und Neurowissenschaften (Prof. Dr. Judith Revers und Prof. Dr. Ulrike Zimmer, beide MSH): Interdisziplinäres Wahlprojekt für Studierende aller Fachbereiche der MSH, bei dem sie EEG-Forschung kennenlernen, die Messung von Wirkungen künstlerischer Praxis sowie Methoden intermedialer Übersetzung erproben.
  • DeKiJu – Demokratische Kinder und Jugendbeteiligung (Michael Ganß, Prof. Dr. Elisabeth Richter und Prof. Dr. Anett Müller-Alcazar, beide MSH): Partizipatives Forschungsprojekt zur Untersuchung eines Bottom Up-Prozesses zur Einbindung bedarfsgerechter Strukturen von Kindern und Jugendlichen für demokratisches Engagement in bestehende Strukturen eines Stadtbezirks.
Michel Ganß beim 1. IRAT Day an der MSH. Foto: Judith Revers
Michel Ganß beim 1. IRAT-Day an der MSH Medical School Hamburg. Foto: Judith Revers
  • GAIA – global art + intersectionality analysis (Prof. Dr. Kerstin Schoch, MSH und Prof. Dr. Ina Blümel, Universität Hannover): Kuratierung eines intersektionalen Open Data Sets globaler Gegenwartskunst, Weiterentwicklung eines Open Source Machine Learning Ansatzes sowie Dekonstruktion von Biases in der Bildanalyse aufgrund kolonialer Kontinuitäten und empistemischer Gewalt.
  • Künstlerische Therapien als präventives Angebot in der Entwicklungsförderung von Kindern und Jugendlichen (Prof. Dr. Anne-Katrin Jordan, MSH): Entwicklungsförderung mit künstlerischen Medien, um bei Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund Resilienz zu stärken, sodass sich keine psychischen Störungen oder andere Auffälligkeiten manifestieren.
  • Reduktion von Stigma mittels Künstlerischer Therapien (Prof. Dr. Kerstin Schoch, MSH): Entwicklung innovativer künstlerischer Formate zur Vermittlung non-verbaler und präreflexiver Erfahrungen in Kooperation mit Künstler:innen, Künstlerischen Therapeut:innen und Menschen mit der Erfahrung psychischer Erkrankungen in verschiedenen künstlerischen Medien (Bewegung/Tanz, Bildende Kunst, Musik).
  • Unspoken dialogues: Exploring Synchronization of HRV in Non-verbal Vocal Improvisation (Prof. Dr. Judith Revers, MSH): Interdisziplinäre Kooperation von Künstlerischen Therapien und Systemwissenschaften zu Fragestellungen von Synchronisationsphänomenen innerhalb nonverbaler Stimmimprovisation, gemessen anhand von Heart Rate Variability (HRV) in Kombination mit qualitativen Erhebungsmethoden.
  • Resolog – Soziologische und musiktherapeutische Resonanzkonzepte im Dialog (Prof. Dr. Jan Sonntag, MSH): Verknüpfung aktueller soziologischer Resonanztheorie mit Praxeologie und Theorie der Musiktherapie sowie die Diskussion von Resonanzkonzepten beider Disziplinen mit Blick auf wechselseitige Bereicherung.
  • Healing Soundscapes live – Klanginterventionen in Krankenhäusern (Prof. Dr. Jan Sonntag, MSH): Entwicklung und Erforschung von Klanginterventionen, die das Wohlbefinden von Patient:innen, deren Begleitpersonen und Mitarbeitenden in offenen Krankenhausräumen verbessern – im Kontext des Hamburger Ligeti-Zentrums (siehe auch den Blogbeitrag von Jan Sonntag, veröffentlicht hier im Blog am 30. Juni 2023).
  • KlangKunst (Prof. Dr. Anne-Katrin Jordan, MSH, Prof. Dr. Petra Saltuari, Hochschule für Kunst und Gesellschaft, und PD Dr. Susann Kobus, Universitätsmedizin Essen): Untersuchung der Wirkung von manualisierter Kunst- und Musiktherapie auf mütterlichen Stress und Angst sowie Bindung zum Ungeborenen in einer multizentrischen, randomisierten Studie.
  • Echt stark: Prävention durch Stärkung des Selbstwerts (Prof. Dr. Anne-Katrin Jordan, MSH und Dr. Anna Lisa Prechtl, Bezirkskliniken Mittelfranken): Untersuchung von Selbstwert stärkendem Feedback, das nach einer Improvisation erfolgen kann, auf der Basis der Methodik des musiktherapeutischen Projekts echt stark zur Stärkung des Selbstwerkgefühls von Kindern.
  • Künstlerische Therapien in der Diagnostikphase (Prof. Dr. Anne-Katrin Jordan): Untersuchung der Rolle der künstlerischen Therapien in der Diagnostikphase einer psychosomatischen Klinik, Fokus Erleben der Patient:innen, Beobachtungen der künstlerisch therapeutischen Fachkräfte sowie Perspektiven des interprofessionellen Teams.

Abschlusspanel des IRAT-Day

Im abschließenden Panel des IRAT-Day betonten die Teilnehmenden das hohe wissenschaftliche Niveau der Forschungsprojekte am Institut, die gelebte Interdisziplinarität, die in Mixed Methods Ansätzen gelingende Verbindung qualitativer und quantitativer Forschung sowie die konsequente, teamorientierte Einbeziehung von Studierenden.

1. IRAT Day an der MSH Medical School Hamburg: Abschlusspanel. Foto: Judith Revers
1. IRAT Day an der MSH Medical School Hamburg: Abschlusspanel. Foto: Judith Revers

 

Prof. Dr. Lars Tischler (Professor für Psychologie am MSH Campus Arts and Social Change):

„Als Psychologe von einer eher distanzierten, naturwissenschaftlich orientierten Forschung geprägt habe ich am IRAT gelernt, dass das Schöpferische und Subjektbezogene ernstzunehmende Aspekte wissenschaftlicher Forschung sind. Was habt ihr bloß mit mir gemacht!?“

Prof. Dr. Heidi Salaverria (Professorin für Kunsttheorie und künstlerische Praxis an der MSH):

„Wenn ich versuche zusammenzufassen, was die Projekte am IRAT eint, so kommt mir der Ausdruck Lebendigkeit in den Sinn.“

Prof. Dr. Jan Sonntag (Professor für Musiktherapie am MSH Campus Arts and Social Change):

„Von Neurobiologie und Psychologie über Soziologie und Philosophie zu Tanz-, Kunst- und Musiktherapie: Kein Projekt am IRAT, das grundlegend interdisziplinär verankert ist und hervorragende Forschung auf Augenhöhe praktiziert.“

Ausblickend bestand Einigkeit darin, den 2. IRAT-Day einer breiteren Öffentlichkeit zu öffnen und – dem interdisziplinären Anspruch entsprechend – mehr Gäste aus anderen Fachbereichen zu begrüßen. Insbesondere wird eine engere Zusammenarbeit mit medizinischer Forschung an der MSH angestrebt.

Publikationen von IRAT-Mitgliedern

Revers, J. (2026). Reframing the triangular relationship: reflections on modern and postmodern theory in German art therapy education. GMS Journal of Arts Therapies, 8:Doc02. doi.org/10.1080/08098131.2026.2644309

Jordan, A.-K., Busch, V., Lutz Hochreutener, S. & Stegemann, T. (2026). Group music therapy for children with internalising or externalising disorders in primary schools: Study protocol for a mixed-methods study with a cluster randomised experimental design and group discussions. Nordic Journal of Music Therapy, 1-22. doi.org/10.1080/08098131.2026.2644309

Sonntag, J., Hajdu, G., Preißler, P. & Weymann, E. (2026). The Healing Soundscapes approach to sound interventions in hospitals. Musik und Ästhetik, 30(117), 125-137.

Alle Fotos: Judith Revers.

Bild von Jan Sonntag

Jan Sonntag

Prof. Dr. sc. mus. Jan Sonntag, Dipl. Musiktherapeut (FH, DMtG, HeilprG), ist Professor für Musiktherapie am Department Kunst, Gesellschaft und Gesundheit der MSH Medical School Hamburg. Er studierte Musiktherapie an der Fachhochschule Heidelberg und promovierte an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Seit 1999 fokussiert er seine Arbeit als Praktiker, Forscher, Berater und Dozent auf die Musiktherapie bei Demenzen und begründete das Atmosphärenkonzept in der Musiktherapie. Seit 2013 beschäftig er sich verstärkt mit Musik und Sonic Arts in sozialen Transformationsprozessen, leitet musikbasierte und intermediale Partizipationsprojekte und trägt zur Entwicklung von Healing Soundscapes bei. Internationale Vortrags- und Publikationstätigkeit. jansonntag.de, arts-and-change.de.

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