Filmrezension Musikfilme aus musiktherapeutischer Sicht vonHaffa-Schmidt Back

Die zwei von der Filmstelle:
“Die Dirigentin”

 342 Views

Share on facebook
Share on twitter
Share on google
Share on email

Wenn die beiden Musiktherapeutinnen Christine Back und Ulrike Haffa-Schmidt in Nürnberg ins Kino gehen, setzen sie ab und zu ihre Musiktherapeutenbrille auf. Dabei entdecken sie immer wieder interessante Berührungspunkte zu ihrem Berufsfeld.

Die Dirigentin

  • Kinostart: 24. September 2020
  • Dauer: 137 Minuten
  • Regie: Maria Peters
  • Darsteller: Christianne de Bruijn, Benjamin Wainwright, Richard Sammel, Scott Turner Schofield
  • Genre: Biopic
  • Produktionsland: Niederlande (2018)

Der Film handelt von der Lebensgeschichte der Dirigentin Antonia Brico (1902-1989) im New York der Zwanzigerjahre. Als junge Frau träumt sie davon, Dirigentin zu werden und verfolgt eisern dieses Ziel, obwohl ihr von vielen Seiten Steine in den Weg gelegt werden und sie gemobbt und angefeindet wird. Dazu gibt’s noch eine Liebesgeschichte, eine unglückliche und problematische Kindheit, eine lieblose Mutter, sexuelle Übergriffe, Verleumdungen, Armut, jede Menge Vorurteile und Diskriminierungen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Christine, habe ich noch was vergessen? Naja, und all das meistert unsere Protagonistin und doch bleibt ihr die große Anerkennung verwehrt. Oh weh, ich werde zynisch, aber wir sind auch wütend rausgegangen. Christine bestellt sich ihren Prosecco und ich mein Bier. Was ärgert uns so an diesem Film?  „Total plakativ“, „die Szenen vorhersehbar, aus 1000 amerikanischen Filmszenen zusammengeschustert“, „die Filmmusik- mit Ausnahme von ein paar Orchester und Bandszenen – eine klebrige zuckersüße Himbeersauce“, „da wird ein x-beliebiges Thema genommen und irgendwelche Inhalte reingepackt“, um ein paar harmlose Kommentare zu nennen.

Und die Musiktherapie?

Ich hatte vor, begeistert über die phantastischen Dirigentinnen Joana Mallwitz oder Alondra de la Parra zu schwärmen. Ich wollte über die emotionalen Momente in der Musik schreiben und die Wirkung, die die Künstlerin und deren Präsenz und musikalische Interpretation auf mich hat. Ich wollte geschickt einen Bogen spannen zu Spielformen in der Musiktherapie: Dirigieren oder Führen-Folgen. Ich wollte elegant Parallelen ziehen zu den Schwierigkeiten und Hürden, die Antonia Brico auf dem Weg zur Dirigentin überwunden hat und mit denen wir Musiktherapeut*innen um Anerkennung im Gesundheitswesen seit vielen Jahren kämpfen. Und jetzt merke ich: Der Film gibt das nicht her.

Unser Fazit: Enttäuschend.

Ulrike Haffa-Schmidt

Ulrike Haffa-Schmidt

Ulrike Haffa-Schmidt ist Musiktherapeutin, Lehrmusiktherapeutin (DMtG), Psychoonkologin, Heilpraktikerin mit eigener Praxis und Tätigkeit in der Onkologie, Palliativstation und Psychosomatik am Klinikum Nürnberg. Mitglied im Berufsständischen Beirat der DMtG und Delegierte der DMtG für die BAG-Musiktherapie. www.musiktherapie-nuernberg.de

Schreibe einen Kommentar

4 × drei =