Behandlungsmonochord stimmen Anleitung Martin Kucera Foto: Naturtonmusik

Wie stimmt man ein Be­hand­lungs­mo­no­chord? Anleitung mit Fotos

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Dann und wann erreichen mich Anfragen zum Stimmen von Behandlungs­monochorden  bzw. zum Aufziehen neuer Saiten, und natürlich helfe ich auch bei Anfragen zum Besaiten von Liegemonochorden oder Klangliegen von allen möglichen Herstellern. Das Behandlungsmonochord ist äußerst stimmstabil, und die Saiten halten normalerweise sehr lange. So habe ich zum Beispiel vor zwei Jahren bei einem 25 Jahre alten und täglich in einer Klinik benutzten Instrument zum ersten Mal zehn Saiten ausgewechselt. So ist es natürlich für viele Benutzer dieses Instruments mit einigen Fragezeichen verbunden, wenn also diese seltene Arbeit ansteht. Weil sich dieser Prozess von Modell zu Modell verschiedener Firmen kaum unterscheidet, gelten diese Ausführungen im groben natürlich für Behandlungs­monochorde aller Hersteller.

Zum Hintergrund des Behandlungsmonochordes

Die Entwicklung dieses Instruments geht im Ursprung auf das Monochord zurück. Das Behandlungs­monochord in seiner heutigen Form wurde vom Gründer von „Naturtonmusik Instrumentenbau“, Joachim Marz, Ende der Achtzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts entworfen. Marz lernte den italienischen Künstler Tarshito (Nicola Strippoli) in Bari kennen. Tarshito begann 1985 mit der Entwicklung von sogenannten „Klangmöbeln“ – Tarshitos „Eternity“ inspirierte Marz beim Bau des Behandlungs­monochordes zu therapeutischen Zwecken. Die Evidenz der therapeutischen Wirksamkeit der Arbeit mit dem Behandlungsmonochord von Naturtonmusik Instrumentenbau wurde in einer klinischen Studie von Bossert und Marz 2012 nachgewiesen. Diese wurde in dem Buch “Musiktherapie in der Neurorehabilitation – Beobachtungen, Untersuchungen, Forschung” von Beate Roelcke, Susanne Bossert, Joachim Marz, Corinne Galli und Andreas Vuissa (Reichert-Verlag, 2020) veröffentlicht. Informationen zu einer aktuell laufenden Studie mit dem Naturtonmusik Behandlungsmonochord am Uniklinikum Basel, unter anderem durchgeführt von einer Fachärztin Neurologie/ Musik­therapeutin FMWS des Uniklinikums Basel, finden sich auf den Seiten der Koordinations­stelle Forschung am Menschen Kofam, des Deutschen Registers Klinischer Studien DRKS und der Welt­gesundheits­orga­nisa­tion WHO.

Gemeinsam ist den mittlerweile verschiedensten Instrumenten dieser Art die Bespannung mit Saiten zum Zweck der vibroakustischen Klangrezipation durch den auf oder am Instrument liegenden oder sitzenden Menschen. Die vom vor dem Instrument sitzenden Menschen gespielten Töne werden gehört und gleichzeitig mitunter sehr intensiv körperlich wahrgenommen, da sich die Saitenschwingungen über den Resonanzkörper auf den Körper des Rezipienten übertragen.

Saitenwechsel beim Behandlungsmonochord

Um das Wechseln dieser Saiten soll es nun also in diesem Blogbeitrag gehen. Die mit Schlaufe versehenen Saiten sind an sogenannten „Stiften“ aufgehängt und werden mittels Stimmwirbeln gespannt. Hierzu ist ein Stimmschlüssel (Stimmhammer genannt) notwendig. Da es sich um sehr starke Saitenzüge handelt, werden bei hochwertigen Instrumenten dicke, starke Stimmwirbel verwendet, für welche entsprechend große Stimmhämmer benötigt werden (falls Stimmschlüssel benötigt werden, darf man mich natürlich gerne kontaktieren).

1/ Vorbereiten der Stimmwirbel

Bevor die neue Saite aufgezogen wird, muss der entsprechende Wirbel wieder herausgedreht werden, damit bei gespannter Saite der Wirbel wieder gleich tief sitzt wie die anderen. Zusätzlich sollten die Stifte der beiden Wirbelreihen unterschiedlich weit herausgedreht werden. Der Unterschied rührt daher, dass bei der oberen Wirbelreihe ja etwas weniger Saite „aufgewickelt“ werden wird. Beachtet man dies, ergibt sich später ein gleichmäßiges Bild. Bei den Behandlungsmonochorden von Naturtonmusik bedeutet dies einen Unterschied von ca. 4mm (obere Wirbelreihe zu unterer Wirbelreihe) bis zum Saitenloch. 

2/ Einfädeln durch die Saitenführung

Die Saite wird durch die Saitenführung auf beiden Seiten hindurchgeführt…

3/ Einhängen der Saite und Einfädeln durch die Saitenführung

…und am Stimmstift eingehängt. Besaitet man alleine, ist eine kleine Klammer hilfreich. Ist man zu zweit, kann auf die Klammer verzichtet werden, da eine Person die Saite am Stift festhalten kann.

4/ Einführen der Saite in den Wirbel

Die Saite wird durch das Loch im Wirbel geführt. Und zwar so weit, dass sie auf der anderen Seite des Wirbels ein klein wenig herausschaut. So viel wie notwendig, damit im nächsten Schritt die erste Umwicklung vor diesem Überstand sein und halten wird, so wenig wie möglich, damit die Unfallgefahr (Stiche durch die spitzen Saitenenden) gebannt ist.

5/ Die erste Umwicklung

Der Stimmschlüssel wird angesetzt, und mit kontrolliert energischem Ruck die erste Umdrehung angefangen. Hierbei sollte sich ein (weicher) Knick in der Saite ergeben, wodurch gesichert ist, dass sich die Saite bei Zug nicht selber aus dem Wirbel herausfädeln kann. Zusätzlich wird diese erste (halbe) Umwicklung vor dem Saitenüberstand geführt, was das „Herausschlüpfen“ der Saite zusätzlich verhindert.

6/ Aufwickeln, Spannen

Nun wird in ein bis zwei Umdrehungen die Saite an den Instrumentenkörper herangeführt, und die restlichen Umdrehungen sollten möglichst eng sein, was optisch ansprechender und gleichmässiger ist. Die letzte Umdrehung, wenn die Saite den gewünschten Ton hat,  sollte ganz am Holz sein, um eine Hebelwirkung zu verhindern.

7/ Stimmen der Saite

Sobald die Saite den gewünschten Ton hat, kann (mit Gefühl!) beherzt an der Saite gezogen werden. Die Saite wird nun wahrscheinlich fast ein Ganzton tiefer sein, d.h. man kann erneut hochstimmen. Wird diese Prozedur mehrmals gemacht, wird die Saite stimmstabil bleiben.

Eine Grundregel ist: immer von unten nach oben stimmen. Stimmen wir eine Saite irgendeines Saiteninstrumentes, so stimmen wir immer von unten nach oben. Das heißt, auch wenn eine Saite zu hoch gestimmt sein sollte, stimmen wir zuerst etwas zu tief runter, um von unten kommend wieder Spannung zu geben. Auch dies führt zu mehr Stimmstabilität.

Ich hoffe mit diesem Beitrag etwas geholfen und die Scheu vor dieser Arbeit genommen zu haben. Ich denke es ist für das Verständnis der physikalischen Hintergründe der Klangerzeugung mit Saiteninstrumenten für alle Musik­thera­peut:innen von Nutzen, diese Arbeit des Saitenaufziehens mal gemacht zu haben – man lernt sein Instrument so noch einmal etwas besser kennen.

Bei Fragen darf man sich natürlich jederzeit an mich wenden. Vielleicht sogar um selber in meiner Werkstatt „Naturtonmusik Instrumentenbau“ ein Behand­lungs­monochord zu bauen?

Alle Fotos: Martin Kucera/ Naturtonmusik Instrumentenbau

www.naturtonmusik.de

www.instagram.com/naturtonmusik

www.facebook.com/naturtonmusik

Martin Kucera

Martin Kucera

Musiktherapeut FMWS, Dozent FMWS/ FMAS, Mitglied der DMtG (Zertifizierungsanwärter), Musiktherapeut in der Schmerzklinik der Albklinik Münsingen. Trat im Juli 2020 als neuer Geschäftsführer von Naturtonmusik Instrumentenbau die Nachfolge von Joachim Marz als Instrumentenbauer an. Naturtonmusik entwickelte das Behandlungsmonochord, erfand das Kotamo und entwickelte das Körpermonochord zum ausgereiften, therapeutisch praktikablen Instrument. Die Werkstatt befindet sich nicht mehr in der Schweiz, sondern in Gomadingen auf der Schwäbischen Alb. www.naturtonmusik.de. Foto: Beate Oggenfuss

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. schmid rudolf

    voll krass,das finde ich super.gratuliere martin,und mach weiter so.ich hoffe,dir,und deiner familie geht es gut.liebe grüsse von deinem ehemaligen nachbarn. (*;*)

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