Musiktherapeutin Ulrike Haffa-Schmidt die besten Streamingdienste für Klassische Musik und Kultur. Header-Foto: pxhere

Systemrelevanz und Sofakonzerte in Zeiten von Corona

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Autorin: Ulrike Haffa-Schmidt –

Das habe ich seit Ausbruch der Coronakrise gelernt: als Musiktherapeutin bin ich am Klinikum Nürnberg systemrelevant. Ich weiß schon lange, wie wichtig ich als Musiktherapeutin im Krankenhaus für Patienten ganz unterschiedlicher Krankheitsbilder bin.

Jetzt trage ich eine Bescheinigung mit mir herum, die ich, falls ich auf der Straße kontrolliert werden sollte, vorzeigen kann. Fühlt sich super an. Und auch in meiner Praxis geht Musiktherapie, wenn auch extrem reduziert weiter. Als Heilpraktikerin darf ich Akutbehandlungen durchführen. Ebenfalls systemrelevant.

Aber wie beschäftige ich mich abends? Seit Anfang März haben sämtliche Kulturstätten ihren Betrieb wegen Covid 19 eingestellt, seit dem 14.3. haben in Bayern auch die Kinos geschlossen und von der Regierung wurden Ausgangsbeschränkungen angeordnet.

Wie froh bin ich, dass wir die Musik haben. Ich spiele mehr denn je Klavier, nehme mir Zeit, Stücke mal wieder intensiv zu üben und neues Auszuprobieren. Darüber hinaus habe ich die Welt der Streaming Dienste und Mediatheken entdeckt. Hier meine Favoriten:

Die Mediathek von ARTE. Unter der Rubrik Concert findet sich nahezu alles, was das Herz begehrt. Ich fühle mich wie ein Kind, das nachts in ein Spielzeuggeschäft eingeschlossen wurde und sich nach Herzenslust austoben kann. Auf was habe ich Lust? Ein Konzert von Bob Marley oder eine interessante Doku über ihn? Ein Opernaufführung der Salzburger Festspiele oder experimentelle Musik aus Paris? Mal wieder den Spielfilm „Comedian Harmonists“?  Mit dem Format hope@home gibt der Geiger Daniel Hope täglich aus seinem Wohnzimmer mit Freunden ein Konzert. Absolut sehenswert. Igor Levit macht das gleiche um 19 Uhr auf Twitter.

Superkonzerte bietet auch die Mediathek des Bayerischen Fernsehens BR. Christine hat in der Komödie „Echte Bauern singen besser“ – weiß Gott kein cineastisches Highlight – sogar eine Musiktherapie-Szene entdeckt, und das macht den Film für uns wieder sehenswert.

In Ermangelung von Live-Erlebnissen öffnen die geschlossenen Opernhäuser ihre Schatzkammern und zeigen uns täglich wechselnde Aufführungen.

Diese ‘Sofakonzerte’ können niemals ein Live-Erlebnis ersetzen. Ich leide mit den Künstlern, die nicht auftreten können, vermisse die Atmosphäre im Konzertsaal oder im Kino, wo ich das Erlebnis mit anderen Menschen teile und bin trotz allem froh, dass ich in dieser Krise die Musik habe, die ich spielen und hören kann und die niemals gleich ist.

Ulrike Haffa-Schmidt ist Musiktherapeutin (DMtG) am Klinikum Nürnberg sowie in freier Praxis.

Homepage: www.musiktherapie-nuernberg.de

Header-Foto: pxhere

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Liebe Frau Haffa Schmidt,
    ganz vielen Dank für die feinen Musik- und Kulturtipps!
    Ebenso für die wertvolle Arbeit in der Nürnberger Klinik!
    Musiktherapie ist aktuell wichtiger denn je!
    Bleiben Sie gesund!
    Mit herzlich kollegialen Grüßen von der Palliativstation Erlangen!

    1. Ulrike Haffa-Schmidt

      Freue mich über die Grüße und die freundliche Rückmeldung.

  2. Judith Brunk

    Hier noch weitere Kultur-Tipps zum streamen:
    Die Staatsoper München hat bspw. Online-Spielplan erstellt, wo Konzerte oder Ballett live
    übertragen werden. https://www.staatsoper.de/stream.html
    Die Deutschen Oper Berlin hat ebenfalls umgestellt auf einen Online-Spielplan: https://www.deutscheoperberlin.de/de_DE/corona-aktuelle-hinweise
    Die Neue Zürcher Zeitung hat auch Einiges zusammengestellt:
    https://www.nzz.ch/feuilleton/streaming-angebote-opern-und-konzerte-im-netz-ld.1547661

  3. Ulrike Haffa-Schmidt

    Liebe Judith, danke für die neuen Tipps. Hoffentlich kommt da noch mehr!

  4. Sandrine

    Ich hätte diesbezüglich eine Frage. Ich bin als Musiktherapeutin an einer Musikschule tätig. Leider wurden unsere Räume geschlossen und so kann auch die Musiktherapie nicht weitergehen. Ist es denn grundsätzlich erlaubt, Musiktherapie zu machen? Zählt es auch zu den systemrelevanten Berufen?

    1. Judith Brunk, Geschäftsststelle

      Liebe Sandrine, es ist Heilpraktikern auch weiterhin erlaubt – natürlich unter Beachtung der strengen Hygiene- und Abstandsregeln, PatientInnen zu behandeln. Dies gilt dann auch für MusiktherapeutInnenmit Heilerlaubnis nach HeilPrG. Als Angehörige eines Gesundheitsberufes sind MusiktherapeutInnen als systemrelevant eingestuft worden, in Kliniken laufen die Behandlungen auch weiter, jedenfalls jene, die von angestellten MusiktherapeutInnen durchgeführt werden. Wie es sich in Ihrer Situation darstellt, wo der Träger die Einrichtung coronabedingt geschlossen hat, muss wohl im Einzelfall geprüft werden (Vertragsdetails).

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