Musikfilme Filmtipp Haffa-Schmidt Back Amazing Grace

Die zwei von der Filmstelle:
Amazing Grace

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Musikfilme zwischen Nürnberg und Hollywood.

Autorinnen: Christine Back und Ulrike Haffa-Schmidt

Wenn die beiden Musiktherapeutinnen Christine Back und Ulrike Haffa-Schmidt in Nürnberg ins Kino gehen, setzen sie ab und zu ihre Musiktherapeutenbrille auf. Dabei entdecken sie immer wieder interessante Berührungspunkte zu ihrem Berufsfeld.

amazing grace

  • Kinostart: 28. November 2019; als DVD im Handel erhältlich
  • Dauer: 89 Minuten
  • Regie: Sydney Pollack für Warner Bros.
  • Darsteller: Aretha Franklin, Reverend James Cleveland und der Southern California Community Choir
  • Genre: Dokumentarfilm
  • Produktionsland: USA, Los Angeles

glaubensbekenntnis an die musik

Ulli und ich haben „Amazing Grace“ im letzten Jahr vor Weihnachten gemeinsam im Kino angeschaut. Hinterher kam lange nichts, was uns zu sagen möglich war und, wie so oft in dem weiten Feld von Musik und Musiktherapie wurde mir bewusst, dass nach einem musikalischen Erlebnis, der Versuch dies in die Welt der Worte zu bringen, ein schwieriges Unterfangen ist. Und deshalb steht an dieser Stelle auch keine persönliche Stellungnahme von mir, damit ihr möglichst unvoreingenommen den Film auf euch wirken lassen könnt.

Was es jetzt aber doch gibt sind ein paar Fakten zum Hintergrund des Films. Im Januar 1972 fanden in der New Temple Missionary Baptist Church, L.A. an zwei Abenden zwei Kirchenkonzerte statt. Die Musiker waren: Aretha Franklin – Klavier und Lead-Gesang, Reverend James Cleveland – Klavier und Gesang,  Cornell Dupree – Gitarre, Bernard Purdie – Schlagzeug, Chuck Rainey – Bass, Kenneth “Ken” Lupper – Orgel, Keyboards, Pancho Morales – Congas, Percussion und der Southern California Community Choir unter Leitung von Alexander Hamilton.

Die Konzerte wurden in Ton und Bild von Sydney Pollack aufgezeichnet. Während das daraus entstandene Gospel-Album “Aretha Franklin: Amazing Grace“ zum am meisten verkauften Album für Aretha Franklin wurde, blieben die Bildaufnahmen über viele Jahre wegen technischer Probleme und gerichtlicher Schritte der Sängerin ungenutzt. 2007 übertrug Sydney Pollack die Rechte an Alan Elliott, der mit Hilfe der digitalen Technik Ton und Bild verbinden konnte. Die Veröffentlichung des Films fand aber erst, nach insgesamt 46 (!) Jahren, nach dem Tod der Sängerin im November 2018 statt. Und noch eine Besonderheit: Reverend James Cleveland weist zu Beginn des Films ausdrücklich darauf hin, dass das Konzert kein normaler Auftritt der großen Künstlerin sei, sondern als eine Art Gottesdienst in einer Kirche stattfindet. Was für eine Zuschreibung!

Und was für eine Geschichte! Das Leben schreibt manchmal wirklich die besten Drehbücher. Und doch ist das auch keine Ausnahme, dass sich Musiker gegen Aufnahmen wehren. Ich denke an den Dirigenten Sergiu Celibidache, der konsequent gegen Studioaufnahmen war, weil für ihn Musik verbunden war mit dem Moment des Musizierens. Oder ich denke an Carlos Kleiber, der sich gegen die Musikindustrie stellte und es verbot, unter seinem Dirigat mitgeschnittene Tonaufnahmen zu veröffentlichen, wenn sie ihm nicht gefallen haben. Vielleicht ist es ja mit einer Musikaufnahme so, wie mit einem Haus, zu dem Thomas Mann in seinem Roman Buddenbrooks  das türkische Sprichwort zitiert: „Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod.“ Vielleicht hat das auch Aretha Franklin unbewusst gespürt und den Spieß bei diesem Projekt einfach umgedreht. Wie auch immer. Sicher ist, dass der Film „Amazing Grace“ für mich ein Glaubensbekenntnis ist, dass Musik funktioniert als etwas zutiefst Menschliches und gleichzeitig als etwas, was weit über den Menschen hinauswächst. Sorry, aber dieses Statement kann ich mir nun doch nicht verkneifen.

Fazit: Ressourcen-Film, erlebenswert. 

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