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Standpunkt: Erstzertifizierung-Rezertifizierung. Kein erneutes Plädoyer

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Oft genug wurde über Qualität, Ethik, dem Gütesiegel für Vertrauen und Sicherheit für Patient: innen, der berufsrechtlichen Regelungen und Stärkung durch eine Zertifizierung bzw. Rezertifizierung gesprochen, Reden gehalten, Worte darüber „verloren“. Am Ende eines jeden solchen heroisch formulierten Plädoyers tauchte wiederholt dann doch für mich ernüchternd die Frage nach dem „Nutzen“ auf.

Was könnte mit Nutzen noch gemeint sein?

Wenn also die oben genannten Kriterien nicht ausreichen, den „Nutzen“ einer Erstzertifizierung und oder Rezertifizierung zu erfassen, habe ich mir die Frage gestellt, was mit „Nutzen“ noch gemeint sein könnte.

Könnte mit „Nutzen“ ein monetärer Nutzen gemeint sein? Sollte am Ende die Person einen Betrag x für seine „Mühen“: der Teilnahme an Weiterbildungen, Bücher, Fachartikel zu lesen, seine Profession durch interne Fortbildung in eigenen Einrichtungen salonfähig zu etablieren und damit zur eigenen Qualitätsaufrechterhaltung, den anvertrauten Patient:innen damit Sicherheit vermittelnd, musiktherapeutisch, inhaltlich immer auf dem neuesten Stand zu sein und in Selbstverantwortung zu handeln erhalten. Wäre damit die Frage nach dem „Nutzen“ beantwortet? Ich vermute Nein.

Wie arbeitet man mit und am Widerstand?

Ich könnte die Frage, nach dem „Nutzen“ einer Erstzertifizierung/Rezertifizierung als eine widerständige, abwehrende Haltung verstehen. In der Arbeit mit Widerstand arbeite ich mit und am Widerstand. Ich nehme diesen auf, höre zu, akzeptiere die zunächst notwendige Abwehr und hebe diese nicht auf die persönliche Ebene, in Form einer persönlichen Kränkung. Ich versuche in Beziehung mit meinem Gegenüber zu bleiben in dem ich den Widerstand zunächst akzeptiere und anerkenne. Wenn ich Widerstand als „Angst vor“ verstehe, kann ich gut in der Beziehung bleiben. Und mein Gegenüber und mich selbst fragen, was für nächste Schritte möglich sein könnten und sollten.
Die DMtG wünscht sich eine höhere Erstzertifizierungs-, Rezertifizierungsbeteiligung.
Die erstzertifizierungs- und rezertifizierungsfreien Musiktherapeut: innen lehnen ab und fragen unaufhörlich nach dem „Nutzen“. So die Situation und Ausgangslage.

Was nun?

In einem Jour fixe vom 26. April 2026 zu eben diesem Thema habe ich verstanden, dass Mitgliedschaft nicht mit Erstzertifizierung und Rezertifizierung gleichzusetzen ist. Was bewegt Menschen (abgesehen von finanziellen Unterstützenden des Vereins) zu einer einfachen Mitgliedschaft? Eine bestimmt spannende Frage an entsprechende Personen.

Geht die Zertifizierungs-Regelung vielleicht besser?

Die zertifizierungsfreien Musiktherapeut: innen, welche ein abgeschlossenes Studium oder eine abgeschlossene Ausbildung an entsprechenden der AMA, SAMT zugehörigen Institutionen absolviert haben, mit Praktika, wissenschaftlicher Arbeit und erworbenen theoretischen und praktischen Fähigkeiten dürfen sich fragen, ob eine anschließende Berufserfahrung von bis zu vier Jahren, nach erfolgtem erfolgreichem Abschluss notwendig ist, um dann erst eine Erstzertifizierung zu erlangen. Andere Berufsverbände regeln das meines Erachtens berufspolitisch den potenziellen zertifizierten Mitgliedern zugewandter, freundlicher und effizienter.

Qualitätskriterien für Ausbildungen und Studiengänge

Die jeweiligen Ausbildungsinstitutionen und Studiengänge müssen einen Nachweis bezüglich ihrer inhaltlich ausreichenden musiktherapeutischen Berufsqualität und den Standards der „Kasseler Konferenz“ entsprechend vorweisen, um durch die Kontrollausschüsse der AMA und SAMT aufgenommen zu werden.

Nun könnte ich mich fragen, ob die Kriterien ob einer Aufnahme der Institutionen einer nochmaligen Überprüfung benötigen. Denn wenn die Institutionen den Standards der „Kasseler Konferenzen“ entsprechen und zertifizierbare Abschlüsse laut Zertifizierungsordnung der DMtG bereit halten, dann sollten doch alle Absolvent: innen ebenso, mit erfolgreichem Abschluss den Kriterien einer Erstzertifizierung genügen.

Anerkennung, Gesehen werden?

Möglicherweise aber geht die Diskussion um „Anerkennung und Gesehen werden“. Bei Widerstand und Ablehnung doch wichtige Themen. Wenn ich mit einem Abschluss noch „weiter“ mein „Können“ meine Fähigkeiten beweisen soll, also noch „nicht genüge“, wofür dann der Abschluss? Diese Frage darf gestattet sein.

Die ökonomische Perspektive sei erlaubt

Einige abschließende Gedanken zum „Nutzen“ seien erlaubt. Ein ökonomischer Gedanke daran ist, am Ende etwas zu bekommen. Dieses „Bekommen“ verstehe ich an dieser Stelle weniger unmittelbar als einen monetären Nutzen als viel mehr einen Emotionalen, im Sinne einer Zugehörigkeit, Identität und langfristig gesehen dann doch auch wieder als einen wirtschaftlich, Ökonomischen.

Erhalt der Qualifikation ist ein Standard

Wenn alle arbeitenden Musiktherapeut: innen erstzertifiziert/rezertifiziert wären, hätten wir Masse und eine deutlich erhöhte Chance in der Gesundheitspolitik gehört, gesehen und anerkannt zu werden.
Für Psychotherapeut: innen gehört zur Aufrechterhaltung ihrer Qualifikation eine ständige Weiterbildung immanent dazu. Die Psychotherapeut: innen fragen nicht nach „Nutzen“. Für sie ist es ein notwendiger Standard, um ihrer Arbeit an und mit den Patient: innen nachgehen und damit wirksam sein zu können und zu dürfen.

Sorge für Weiterbildung tragen

Möchte ich als Musiktherapeut: in durch Patient: innen, Chef: innen, Kolleg: innen und durch die Gesundheitspolitik in und mit meiner Arbeit gesehen, gehört und anerkannt werden, ist es meine erwachsene Verantwortung, in Form von ständiger Weiterbildung dafür Sorge zu tragen. Das wiederum ermöglicht ohne Anstrengung eine Erstzertifizierung, bzw. Rezertifizierung.

Meines Erachtens haben alle Beteiligten durch ihr Handeln in Beziehung zu sich, zum Gegenüber eine Chance sich selbst und der Profession der Musiktherapie „Gehör zu verschaffen“.

Ulrike Wappler, Leipzig

Anm. d. Blogredation: Der Beitrag wurde für den Blog ausgewählt von der Redaktion der Musiktherapeutischen Umschau. Vielen Dank!
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Ulrike Wappler

Ulrike Wappler ist Dipl.-Musiktherapeutin (UdK Berlin, DMtG) sowie DGsV zertifizierte Supervisorin und Coach. Als Musiktherapeutin arbeitet sie an einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Thüringen. www.supervision-wappler.de.

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