Beim Sommer-Termin des online-Stammtischs “OMG! Online-Musi-Getümmel” trafen sich im August Musiktherapie-Studierende aus Deutschland. Diesmal hatte die Studierendenvertretung zum Thema: Musiktherapie in globalen Krisen.
Welchen positiven Einfluss können wir als Musiktherapeutinnen auf die Klimakrise nehmen? Und welche Verantwortung tragen wir als (angehende) Musiktherapeutinnen?
Mit diesen (und vielen weiteren) Fragen haben wir uns bei unserem letzten OMG! beschäftigt. Wir durften Eckhard Weymann, Lovis Determann und Isabelle Frohne-Hagemann aus der Ethikkommission der DMTG sowie Mona Dittrich aus dem Vorstand der DMTG als Gäste begrüßen.
Uns allen ist der ökologische Fußabdruck ein Begriff – unser negativer Einfluss aufs Klima durch unser alltägliches Tun. Bei unserem Treffen wollten wir allerdings unseren Handabdruck in den Fokus rücken: Welchen positiven Einfluss können wir als (angehende) Musiktherapeut:innen in Krisenzeiten hinterlassen?
Resonanz
Die Auseinandersetzung mit dem Thema begannen wir bei uns selbst: Warum genau berührt uns die Klimakrise? Welche Gefühle löst sie aus – Angst, Wut, Trauer, Ohnmacht oder vielleicht auch Hoffnung? So wie unsere Instrumente schwingungsfähig sind, sind auch wir es; unwillkürlich nehmen wir als Therapeut:innen Atmosphären, Stimmungen und Emotionen von Außen auf; sie treffen bei uns auf Resonanz, berühren auch unsere eigenen Ängste, Sorgen und Ohnmachtsgefühle. Durch diese gemeinsame Empfindung kommen wir unmittelbar in Kontakt mit unseren Klient:innen, was gleichzeitig förderlich und herausfordernd sein kann.
Improvisation
Für diese Resonanz mit unseren Klient:innen haben wir uns gefragt: Brauchen wir eine spezielle Ausbildung, um im therapeutischen Kontext mit globalen Krisen und den damit verbundenen Gefühlen umzugehen? Oder haben wir alles, was wir brauchen, bereits in unserem musiktherapeutischen Werkzeugkoffer?
Als Therapeut:innen kennen wir zahlreiche Methoden, um Emotionen auszudrücken, zu verarbeiten und auszuhalten; treffen diese Emotionen auch unsere eigenen Themen, finden wir durch Ausbildung, Supervision, Intervision, Austausch etc. viele Mittel und Wege zur Abgrenzung. Gleichzeitig wurde im Gespräch deutlich: Wir müssen informiert sein, um uns kompetent mit globalen Krisen und den dadurch ausgelösten Emotionen der Bevölkerung auseinandersetzen und diese auch mit unseren Klient*innen thematisieren zu können; gleichzeitig darf die Selbstfürsorge einen Platz ganz oben auf der Prioritätenliste einnehmen.
Handeln
Ob Fight, Flight oder Freeze – Menschen reagieren unterschiedlich auf Krisen. Aktivismus, Selbstfürsorge und Akzeptanz können mögliche Umgangsweisen mit Krisen sein. Die Musik bietet dabei einen besonderen Raum für Ausdruck und Verarbeitung von Emotionen und kann uns helfen, handlungsfähig zu bleiben. Handeln kann dabei ganz klein beginnen: mit einer geschärften Wahrnehmung, Informationen, dem Mut, Fragen zu stellen, und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Auch die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft (DMtG) befindet sich mitten in der Auseinandersetzung mit globalen Entwicklungen und deren Einfluss auf die Musiktherapie. Aktuell wird aktiv an einer Ergänzung der Präambel des Ethikkodex nach dem Beispiel der deutschen Psychotherapeutenkammer gearbeitet. Hier soll die Rolle der Musiktherapeut:innen in der Erhaltung und Förderung der ökologischen und soziokulturellen Lebensgrundlagen im Hinblick auf die Gesundheit der Menschen verankert werden.
Gemeinschaft
Eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste, Erkenntnis unseres Abends: Wir müssen das nicht allein tragen. Austausch, Vernetzung und Beziehungen können uns dabei unterstützen, mit einem so großen und herausfordernden Thema, das uns von Zeit zu Zeit auch überrollen kann, umzugehen. Wir selbst erleben, genauso wie unsere Klient:innen, möglicherweise Ängste, Wut oder Hilflosigkeit angesichts der Klimakrise. Umso wichtiger sind Gemeinschaft und Selbstfürsorge.
Geht in Beziehung, bleibt neugierig und sprecht miteinander über die Themen, die euch beschäftigen! Vielleicht beginnt genau dort unser Handabdruck.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Studierenden und unseren Gästen für den inspirierenden Austausch!
Nächster OMG-Termin am 30.11.26
Wir freuen uns schon auf weitere spannende Diskussionen mit Gästen und natürlich auf unseren nächsten OMG am 30. November 2026 um 19 Uhr zum Thema „Praktikum“ – den Link erhaltet ihr wie immer unter studierendenvertretung@musiktherapie.de.
Kontakt
Hast du Wünsche, Anregungen oder Kritik für kommende Online-Musi-Getümmel oder allgemein an die Studierendenvertretung? Dann melde dich jeder Zeit bei uns per email.
Eva Ittmann (B.A. MT, SRH Heidelberg) und Laura Vetter (M.A. MT, Universität Augsburg)
Links und weitere Beiträge
Das neueste Autor:innen-Interview führte Bettina Eichmanns mit Manuel J. Godisch über den Artikel „Sensibilisierung und Engagement – Musiktherapie im Feld der Klimakrise“ von Manuel J. Goditsch, Christoph Bals, Claritta Martin, Julie Nass-Dambach und Eckhard Weymann, erschienen in der aktuellen Ausgabe der Musiktherapeutischen Umschau (MU 3-2026).
Alle Beiträge zum Thema Studium und Ausbildung sind hier im Blog in der Themen-Kategorie Campus zu finden!


