Weltkongress Musiktherapie in Bologna im Juli 2026. Studierende der HFMT Hamburg berichten.

Musiktherapie-Weltkongress #bologna2026. Studierende der HfMT Hamburg berichten

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Der 18. World Congress of Music Therapy fand im Juli 2026, nach genau 30 Jahren, wieder einmal auf dem europäischen Festland statt (zum letzten Mal 1996 in Hamburg). Dies bot Musiktherapie-Studierenden der europäischen Länder eine hervorragende Gelegenheit, am größten internationalen Kongress ihrer Disziplin teilzunehmen. Besonders für die Studierenden aus dem DACH-Raum war es ein intensives Jahr, nachdem im Juli 2025 die 13. Europäische Musiktherapiekonferenz (EMTC) in Hamburg Station gemacht hatte. Drei Studierende der Hochschule für Musik und Theater Hamburg schildern hier im Blog ihre Eindrücke.

In einigen Dingen stimmen ihre Berichte überein – das Programm bot ein überwältigendes Angebot an Veranstaltungen, es gab organisatorische Herausforderungen, und man nahm viel Inspiration für die berufliche Zukunft mit.

Johanna Furthmann

Nach meinen ersten Kongresserfahrungen bei der European Music Therapy Conference (EMTC 2025) in Hamburg war der Weltkongress in Bologna eine super Gelegenheit, weiter in die internationale Musiktherapie-Szene einzutauchen.

Besonders in Erinnerung bleiben mir die Begegnungen mit Musiktherapeut:innen, deren Literatur ich im Studium oder im Zuge meiner Masterarbeit gelesen habe. Ebenso der Workshop von Frieda Kinne zum Thema “There Is No Neutral! Professional Identity as a Political Practice”. Im Workshop wurden die eigene professionelle Positionierung, Machtverhältnisse in der therapeutischen Beziehung sowie Selbstoffenbarung, Advocacy und Allyship thematisiert. Dabei war die Auseinandersetzung mit der Frage, wie politisch und gesellschaftlich positioniert therapeutisches Handeln sein kann, sehr anregend.

Insgesamt hätte ich mir mehr Beiträge zu den Themen Queerness und Geschlechtsidentitäten in der Musiktherapie gewünscht. Diese waren aus meiner Sicht unterrepräsentiert. Dennoch war das Programm vielfältig. Organisatorisch war es teils problematisch, rechtzeitig von einem Seminar ins nächste zu gelangen, da die Veranstaltungen sehr knapp hintereinander lagen, sodass zwischendurch wenig Zeit für Pausen und Austausch blieb. Auch die Kongress-App war etwas unübersichtlich, da die Veranstaltungen nach Räumen und nicht nach Uhrzeiten geordnet waren.

Was bringt ein Weltkongress für Studierende?

Für mich sind Kongresse eine Möglichkeit neuste Forschungen und unterschiedliche Arbeitsweisen kennenzulernen sowie Inspirationen zu sammeln. Dabei bin ich immer wieder davon beeindruckt, wie vielfältig das Berufsfeld der Musiktherapie ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass  es sich lohnen kann, auch Vorträge und Workshops zu besuchen, die auf den ersten Blick nicht ganz den eigenen Interessen entsprechen. Nicht selten habe ich daraus neue Impulse mitnehmen können. Die Teilnahme hat mich ebenso dazu motiviert, selbst ein Abstract für einen kommenden Kongress einzureichen.

Kosten und Nachhaltigkeit

Die Teilnahme der Studierenden der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT) war durch die finanzielle Unterstützung der Hochschule möglich, die einen Teil der Kosten bezuschusste. Ohne diese Unterstützung wäre die Teilnahme deutlich schwieriger gewesen.

Abschließend stellt sich mir die Frage, wie internationale Präsenz-Kongresse zukünftig nachhaltig und ressourcenschonend gestaltet werden können. Für die Durchführung eines Kongresses dieser Größe in einer Stadt wie Bologna, in der es bereits Maßnahmen zur Begrenzung touristischer Kurzzeitvermietung gibt, ist eine Einordnung und Auseinandersetzung der WFMT, zusätzlich zu den genannten Aspekten im Code of Conduct, wünschenswert.

Insgesamt nehme ich aus Bologna viele neue Eindrücke, Begegnungen und Inspirationen mit. Für Studierende kann ein solcher Kongress eine wertvolle Erfahrung und eine Einladung zur aktiven Gestaltung sein.

Alexander Suck

Eindrücke

Wenn ich ehrlich bin, sind die vielen Eindrücke schwer zu sortieren. Die Atmosphäre beim Eintreten in die Eingangshalle und dann später in den Saal, in dem die Eröffnungszeremonie stattfand, lässt sich nur als überwältigend beschreiben. 1400 Musiktherapeut:innen aus der ganzen Welt wuselten durcheinander, tauschten sich aus. Bestehende Kontakte konnten aufgefrischt, neue Kontakte geknüpft werden; es lag wissenschaftlicher Enthusiasmus und Aufschwung in der Luft.

Die katastrophal organisierte App half leider nur mäßig dabei, das überbordende Angebot an Workshops, Vorträgen und Austauschmöglichkeiten zu überblicken und zu sortieren. Zum Glück behalfen sich Wiener Kommiliton:innen mit einer KI-erstellten übersichtlichen Version der Vorträge, die nach Zeiten und nicht nach Räumlichkeiten strukturiert war und teilten diese, sodass man eine bessere Übersicht hatte über die parallel laufenden Veranstaltungen.

Nach der etwas langwierigen Eröffnungszeremonie (an wen adressiert sich eine solche Veranstaltung?) startete dann ein bunter Kongress mit vielen neuen Forschungsimpulsen und Austauschmöglichkeiten.

Impulse

Ich persönlich habe mich vor allem an die vielen Vorträge gehalten. Hier war ich überwältigt von der Fülle an Themen und Ansätzen – aber auch von den unterschiedlichen Perspektiven auf die Musiktherapie. Schnell wurde deutlich, dass weltweit viele verschiede Ideen zur klinischen Praxis ko-existieren. Ich konnte im Laufe der Vorträge viele neue Impulse, Methoden und auch bisher von mir vollkommen vernachlässigte Thematiken entdecken. Auch wenn nicht jeder Vortrag dem entsprach, was ich mir davon erhofft hatte, gab es dennoch – vielleicht gerade durch diese Erwartungsbrüche – neue Perspektiven zu entdecken.

Als studierende Person in dem Feld war es für mich besonders schön zu sehen, wie viele junge Forscher:innen präsent waren und gleichwertig neben ‘Größen’ der Musiktherapieforschung ihre Arbeit vorstellen konnten. Auch die ein oder andere Vorstellung einer Masterthesis war dabei.

Mich persönlich besonders interessiert haben Vorträge zu Abhängigkeitserkrankungen und mich hat besonders gefreut, dass gleich der erste Round Table des Kongresses im größten Saal komplett diesem (in der Musiktherapie leider noch immer eher Rand-)Thema gewidmet wurde.

Dank

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der HfMT für die finanzielle Unterstützung bei dem Kongress. Damit wurde uns eine sehr wertvolle Erfahrung ermöglicht, von der wir mit Sicherheit viele gute Impulse mit in unsere zukünftige Arbeit mitnehmen werden.

Kai Olav Oestmann

Ich besuchte den WCMT in Bologna direkt nach der Abgabe der Masterthesis, irgendwo zwischen Studienabschluss und Berufseinstieg. Schon beim international studentsmeeting traf ich auf viele bekannte Gesichter: Studierende der deutschen Hochschulen, aus Wien und UK. Mir tat es gut, bei den ganzen neuen Eindrücken auch an die bereits entstandenen Kontakte des  EMTC anzuknüpfen und nicht nur neue zukünftige Kolleg:innen kennenzulernen, sondern auch wiederzusehen zu dürfen.

Das Programm war vielfältig und bot die Möglichkeit, die bekannten Pionier:innen aus der Szene und Musiktherapeut:innen aus Praxis und Forschung live zu erleben, sowie an Workshops teilzunehmen. Die drei-minütigen Posterpräsentstationen boten einen Überblick über die internationale Forschungslandschaft und musiktherapeutische Praxis und gefielen mir durch den konzentrierten Inhalt und die Abwechslung besonders gut. Nach der ersten, eher zufälligen Teilnahme wurde ich zum Stammgast des Formats.

Die Räumlichkeiten

Bei der Planung des Kongresses wurden leider keine Zeiten für Raumwechsel berücksichtigt und manchmal überzogen einzelne Veranstaltungen die angegebene Zeit, was natürlich bei einem vollen Tagesplan Überschneidungen und verspätete Teilnahmen zur Folge hatte. Der Weg zwischen den Veranstaltungen führte immer wieder durchs Foyer, das wie ein Marktplatz im Zentrum des Gebäudes wirkte: Es wurde Eis angeboten, Personal des Caterings eilte geschäftig umher und bereiteten das Essen, namhafte Verlage und Hersteller von Instrumenten boten ihre Fachliteratur, Handtrommeln, Klangliegen und andere Instrumente zum Verkauf an.

Die Geräuschkulisse war durch das ständige Ausprobieren der Instrumente von Kaufinteressent:innen, Spielfreudigen und der allgemein hohen Anzahl der Teilnehmenden geprägt und lud nicht zum Verweilen ein. Es gab leider wenig Rückzugsmöglichkeiten und Orte, an denen man mal durchatmen oder ein entspanntes Gespräch führen konnte. Das Kongressticket für Studierende war deutlich günstiger als das reguläre und lag preislich im Rahmen. Die Summe aller zusätzlichen Kosten wie Anfahrt, Unterkunft und Verpflegung kann wiederum die Teilnahme erschweren. Es war im Vorfeld möglich, sich für ein Stipendium der WFMT zu bewerben und bei Erfolg das Eintrittsgeld zu sparen. Die Kongressteilnahme wurde von der HfMT Hamburg gefördert, was mir sehr geholfen hat.

Für die Zukunft

Gerade als Student und Berufseinsteiger war die Teilnahme am Kongress sehr inspirierend und half mir, mich weiter zu vernetzen. Studierende aus Wien stellten ihre Studien im Rahmen der Masterthesis vor und luden mich zu den Präsentationen ein. Die Vorträge waren sehr spannend und motivieren mich, in Zukunft selbst einen Vortrag auf einem Kongress halten zu wollen.

Kai Olav Oestmann

Links

World Congress of Music Therapy, Bologna 2026 – https://wcmt2026.org

Hochschule für Musik und Theater Hamburg – Institut für Musiktherapie

 

 

 

Bild von Johanna Furthmann

Johanna Furthmann

Johanna Furthmann ist Atem-, Sprech- und Stimmtherapeutin sowie Musikpädagogin. Ende September 2026 schließt sie das Masterstudium für Musiktherapie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT) ab. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der stimm- und musiktherapeutischen Begleitung von trans* Menschen.

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