Projekte
Musiktherapie verbindet Generationen

In der heutigen Zeit leben zwar mehr Generationen gleichzeitig als es früher der Fall war, doch in der Regel begegnen sie sich weniger als damals. Die Idee des Projektes, das für ein Jahr (Anfang bis Ende 2005) von Aktion Mensch, 5000xZukunft, gefördert wird, ist es, Generationen zusammenzuführen, und durch die Begegnung voneinander profitieren zu lassen. Kinder im Alter zwischen 4-6 Jahren stellen ihre musikalischen und tänzerischen Darbietungen den Senioren eines Altenheimes vor. Die Senioren genießen es beschenkt zu werden und treten gleichzeitig durch eigene musikalische Aktivitäten in Kontakt mit den Kindern. 

Marga Wilke, Musikpädagogin und Rhythmikerin, arbeitet jede Woche mit einer Gruppe von Kindern einer staatlichen Kindertagesstätte in Berlin, Prenzlauer Berg. Acht bis zehn Kinder erarbeiten Lieder, Tänze und musikalische Spiele. Wenn die Kinder eingeschult werden, müssen sie Abschied nehmen und dem nachfolgenden Jahrgang die Aufgabe übergeben. Die Kindergruppe geht alle 14 Tage in das Pflegewohnheim Dorotheahaus des Diakoniewerks Niederschönhausen. Dort wird sie erwartet von acht bis zehn alten Menschen, die hilfsbedürftig sind und die in dieser Stunde von der Musiktherapeutin Susanna Brandt betreut werden. 

Das Projekt verfolgt verschiedene Ziele: In erster Linie dient es der Annäherung der Generationen. Sowohl den Senioren der Pflegeeinrichtung als auch den Kindern der Kindertagesstätte ist es ohne äußere Hilfe nicht möglich, zueinander zu kommen.

Dazu bedarf es Kontaktpersonen, welche die Begegnung organisieren, durchführen und vor- und nach­bereiten. Die Grundlage des Kontakts ist die Musik. Sie ist dazu in besonderem Maße geeignet, weil sie bereits ohne Sprache Verbindungen schaffen kann und direkt von Herz zu Herz geht.Die Kinder der Tagesstätte bekommen durch die Auftritte eine Bühne, auf der sie ihre Fähigkeiten vorstellen können.

Foto Musik verbindet Generationen 1 

 In der Regel erfüllt es Kinder in diesem Alter mit viel Stolz, etwas vortragen zu können. Zudem lernen sie schon frühzeitig andere Lebensräume kennen, in einem Alter, in dem noch keine Vorurteile bestehen. Ihr soziales Verhalten wird gefördert: Sie erleben den Genuss, anderen Menschen eine Freude machen zu können.
Durch die Regelmäßigkeit und die Dauer des Kontakts entstehen Beziehungen, die vielleicht auch über das Projektende hinaus gepflegt werden können.

Foto Musik verbindet Generationen 2 

Für die Senioren des Pflegeheims, die weitgehend von der Außenwelt isoliert sind, bedeutet der Besuch eine Öffnung ihres Lebensraumes. Der Kontakt zu den Kindern weckt Erinnerungen aus der eigenen Kindheit, mit welcher sie ohnehin oft befasst sind.Die musikalischen Darbietungen rühren an, wecken die Sinne und regen Gefühl und Verstand an, auch dann, wenn der alte Mensch bereits sehr hilfsbedürftig ist.

Im Nachhinein können besondere Eindrücke gemeinsam mit dem Musiktherapeuten verarbeitet und integriert werden.
Geplant ist eine detaillierte Dokumentation des Projekts. In den laufenden Aufzeichnungen des Musikpädagogen und des Musiktherapeuten werden die konkreten Aktivitäten, die Entwicklung der Programme sowie die Veränderungen im Kontaktverhalten und Erleben der Kinder und der alten Menschen notiert.Mit dieser Dokumentation sollen die Erfahrungen im Sinne eines Modellprojektes übertragbar gemacht werden und andere zum Nachahmen anregen. Wir danken für die Förderung des Projekts durch Aktion Mensch, Programm 5000xZukunft mit EUR 4.500,00. (-dm)

Weitere Informationen:

Öffnet einen externen Link in einem neuen Fensterwww.5000xzukunft.de

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Literaturempfehlungen

Dorothea Muthesius
"Schade um all die Stimmen..."
Erinnerungen an Musik im Alltagsleben
Böhlau Verlag, Wien 2001

 Muthesius, D. / Sonntag, J. P./ Warme, B. / Falk, M.
Musik – Demenz – Begegnung.
Musiktherapie für Menschen mit Demenz.
Mabuse-Verlag, Frankfurt (2010)

"Beiträge zur Musiktherapie"
Nr. 422, 450, 451, 452, 405 und 406

"Musiktherapeutische Umschau"
Band 20/1999

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